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Jüdische Turnzeitung · 1902-09-01 · 9 (9.1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
9 (9.1902)
Date
1902-09-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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No. 9. 148. Wir haben im „Bar Kochba" in den vier Jahren unserer Arbeit gefunden, was wir suchten. Er ist uns nicht ein Schmollwinkel Ausgestossener, denn wir haben den schmählichen Zwang nicht erst abgewartet wie so viele. Er ist uns vielmehr eine Heimat geworden, die wir lieb haben, und die uns der liberalste deutsche Turnverein nicht bieten kann. Unser Fleisch und Blut ist es, mit dem zusammen wir uns stählen für eine grosse Zukunft unseres jüdischen Volkes. Der Erfolg giebt uns Recht; aus Spott und Hohn ist Achtung und Anerkennung geworden, die Mitgliederzahl der jüdischen Turnvereine hat sich verzwanzigfacht. Und nun zu euch, ihr jüdischen Turnvereine, die ihr noch hinket nach beiden Seiten! Verstattet mir ein deutliches Wort. Heute noch von „konfessionellen" Turnvereinen zu sprechen ist Unklarheit oder Heuchelei; sie haben nichts mit Religion und Konfession zu thun. Unklarheit ist es zu glauben, dass die Verschiedenheit der Religion eine völlige Gleichheit aller Turnenden unmöglich mache, denn nur der Jude, nie etwa der Katholik hat in den Turnvereinen Deutschlands auf Feindschaft zu rechnen. Heuchelei ist es, wenn man von jüdischer Religion nichts weiss und nichts hält, und doch bei jeder gemeinsamen Arbeit mit Juden das Mäntelchen der „Glaubensgenossenschaft" umhängt. Man wehre sich, wo man angegriffen wird. Nicht eure Religion wird angegriffen, sondern eure Selbstachtung, eure Volkseigentümlichkeiten. Seht euch die polnischen, trefflich organisierten Turnvereine an, in ihnen habt ihr ein Beispiel, das fast in allen Punkten auf unseren Fall passt. Ihr habt den ersten grossen Schritt gethan, euch als Juden organisiert; damit habt ihr, ihr mögt wollen oder nicht, ihr mögt es zugeben oder nicht, jüdisch-national gehandelt. Fragt euch doch nach diesen Worten der Aufklärung noch einmal ehrlich und aufrichtig, ob eure „Konfession" euch zum Zusammenschluss veranlasste, oder nicht vielmehr das Gefühl einer natürlichen Zusammengehörigkeit, wie es Glieder einer Familie empfinden, das dunkle Empfinden einer Solidarität, die sich auf gleicher Abstammung und Geschichte aufbaut. Denkt den Gedanken durch, macht euer Handeln zu einem bewussten Wollen. Was wir vor euch voraus haben, ist nur die Klarheit und Schärfe, mit der wir unser Thun und unser Denken zusammenstimmen lassen; unsere Gründe, Wege und Ziele sind dieselben wie die euren und müssen es sein. Wir werden bald

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