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Jüdische Turnzeitung · 1902-08-01 · 8 (8.1902) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
8 (8.1902)
Date
1902-08-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
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No. 8. 137. hältnisse, wie z. B. die jetzt allenthalben übliche Turnkleidung, Übungen, an denen früher leicht Anstoss genommen werden konnte. Eine Turnlehrerin wird die Grenzen des Erlaubten und die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit nie zu hoch, eher zu tief stecken, nicht selten zum Bedauern geübterer Turnerinen. Es hängt dies in manchen Fällen mit der geringen Körperkraft und turnerischen Fertigkeit der Turnlehrerinen zusammen, von denen Prof. Zander klagt, dass bei der Turnlehrerinenprüfung stets einzelne der Damen, die demnächst Turnunterricht zu erteilen wünschten, nicht imstande seien, ihren eigenen Körper auch nur einmal durch die Kraft der Armmuskeln emporzuheben. Besitzt die Turnlehrerin jedoch neben den erforderlichen körperlichen Fertigkeiten die genügende medicinische wie pädagogische Schulung, so ist sie beim weiblichen Turnen dem Turnlehrer vorzuziehen, kennt sie doch jene zarten Rücksichten, die der weibliche Organismus verlangt, und die der Turnlehrer leicht übersehen kann. Der weibliche Körperbau ist im Allgemeinen in der Figur kleiner, im Aufbau zarter, in den Formen abgerundeter. Der Gedrungenheit des männlichen Körpers steht die weibliche Schlankheit gegenüber, die eine Ausbildung verlangt, bei der die Bewegungen bestimmter und abgemessener werden, ohne dass dabei die weichen Formen verloren gehen dürfen. Der schwächere Knochen- und Muskelbau, die kürzere und engere Brusthöhle mit einem kleineren Herzen, kleineren Lungen und Gefässstämmen sowie die zierlicheren Gliedmaassen weisen schon darauf hin, dass allzu energische Übungen dem weiblichen Organismus nicht entsprechen. Die Erkenntnis dieser Thatsachen weist uns den Weg m der weiblichen Turnkunst. Das Weib soll durch die körperliche Erziehung nicht vermännlicht werden, sondern in den Grenzen der Weiblichkeit nach Gesundheit, Kraft, Ausdauer und Gewandheit streben. Die weichen Umrisse des weiblichen Körpers, die teils durch den zarter angelegten Knochen- und Muskelbau, teils durch eine stärkere Fettschicht bedingt sind, sprechen gegen Leibesübungen, die die Muskelentwickelung in dem Maasse fördern, dass die Turnfahrten der Mädchen wendet, sehen wir heute in den angegebenen Leibesübungen wertvolle Ergänzungen des Turnens. Auch das Springen, das man aus gesundheitlichen Rücksichten verbieten zu müssen glaubte, ist heute eine häufige und beliebte Übung, nachdem sich die Erkenntnis Bahn gebrochen hat, dass ein richtig ausgeführter Sprung bei vorschriftsmässiger Turnkleidung durchaus ungefährlich ist.

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