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Jüdische Turnzeitung · 1902-08-01 · 8 (8.1902) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
8 (8.1902)
Date
1902-08-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
Belongs to
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No. 8. 138. für das weibliche Geschlecht charakteristische Rundung der Formen durch ein scharfes Hervortreten der Muskulatur zerstört wird. Ein Turnen, das das Prinzip der weiblichen Schönheit unberücksichtigt lässt, bedeutet einen schweren Fehler. Man denke sich nur — horribile dictu — die Venus von Milo mit den Muskeln des farnesischen Herkules! Die Möglichkeit einer Verwandlung des weiblichen Körpers in ein solches Zerrbild ist jedoch glücklicherweise kaum zu befürchten, da der Ausbildung der weiblichen Muskulatur ziemlich enge Grenzen, gezogen sind, und die Fettablagerung alle scharfen Grenzen zu verwischen geeignet ist. Wenn also auch die muskelbildenden Übungen keinen Anspruch auf den ersten Rang beanspruchen dürfen, so dürfen sie doch andererseits nicht vernachlässigt werden, da sie nicht nur einer Erschlaffung des Muskelsystems wirksam entgegenarbeiten, sondern auch die anderen Organe günstig beeinflussen. Gegen eine übertriebene Muskelkultur spricht ja auch ein Ziel des Turnens: die harmonische Ausbildung des gesamten Körpers, nicht die Bevorzugung eines einzelnen Organs, die nur auf Kosten anderer geschehen kann. — Während die Muskulatur der Becken-, Lenden- und Kreuzgegend von Natur kräftiger ist, sind die Muskeln des Rückens, des Bauches und der oberen Gliedmaassen einer besonderen Ausbildung wert. Die Rückenmuskulatur, die dem Körper die gerade Haltung verleiht und die leider von Jugend auf vernachlässigt und durch unzweckmässige Kleidung direkt geschädigt wird, die für das weibliche Geschlecht so wichtige Bauchmuskulatur, die in Gemeinschaft mit dem Zwerchfell die Bauchpresse bildet, und schliesslich die Muskeln der oberen Extremität, die für den Beruf als Hausfrau und Mutter durchaus notwendig sind und an die das Leben gelegentlich erhöhte Ansprüche stellen kann, — sie alle sind bei der Übung gebührend zu berücksichtigen. Wir müssen es als einen Fehler bezeichnen, wenn beim weiblichen Turnen, wie es noch häufig geschieht, die Muskeln der unteren Extremitäten durch Gangarten über Gebühr geübt werden — sind sie doch, wie bereits gesagt, von Natur kräftiger und ausserhalb des Turnens häufig in Thätigkeit. — Da die äussere Erscheinung zu einem guten Teil durch eine straffe Körperhaltung bedingt ist, die wiederum auf einer kräftigen Rumpf- und Halsmuskulatur beruht, so müssen wir durch Gleichgewichtsübungen, durch Tragen von Lasten auf dem Kopfe*) und durch Rumpfübungen günstige Ver- *) Bekanntlich zeichnen sich die Madchen, die in einigen Gegenden beim

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