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Jüdische Turnzeitung · 1902-08-01 · 8 (8.1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
8 (8.1902)
Date
1902-08-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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No. 8. 135. Sie, bitte, woher alle die Kinder sind, die man da auf den Wiesen sieht?" Sie waren nämlich an Wiesengründen vorbeigekommen, auf denen Schwärme halbwüchsiger Knaben und Mädchen die Spiele Englands spielten: die Mägdlein Tennis, die Bursche Cricket und Fussball. Der Beamte gab willig Auskunft: „Das sind Schulkinder aus den Instituten, die um diesen Park herum liegen. Abwechselnd werden alle Klassen herausgeführt zu den athletischen Spielen, die wir in der Entwicklungszeit für ebenso wichtig halten, wie das Lernen." „Das scheinen aber nur die Kinder wohlhabender Leute zu sein?" fragte Friedrich. „Alle sind gleich schmuck und reinlich gekleidet, wie ich sehe." „Nein Herr!" erwiderte der Beamte. „Das sind die Kinder aller Leute. Es giebt in der Schule keinen Unterschied, weder in der Kleidung noch in irgend etwas Anderem — mit Ausnahme der Begabung und des Fleisses. In unserer Neuen Gesellschaft sind wir durchaus nicht für die Gleichmacherei. Jedem nach seinen Werken. Den Wettbewerb haben wir nicht abgeschafft. Aber die Bedingungen sind für alle gleich, wie bei einem Preiskampf oder Wettlauf. Am Anfang müssen Alle gleich sein, nicht am Ende. In der früheren Gesellschaft konnte es vorkommen, dass ein einziges gutes Geschäft eines Mannes seinen Kindern und Kindeskindern zu allen Wohlthaten der höheren Erziehung verhalf und sie für immer sorglos machte. Auf der anderen Seite mussten wieder die Nachkommen nicht etwa nur für die Sünden, nein, sogar für die schlechten Geschäfte des Vaters büssen. Eine verarmte Familie geriet ins Proletariat, und es war Heldenkraft nötig, um sich daraus noch einmal zu erheben . . . Bei uns aber werden die Kinder für die Geschäfte der Väter nicht belohnt und nicht bestraft. Für jede neue Generation stellen wir wieder den Anfang der Dinge her. Darum sind sämtliche Schulen, von der Elementarschule bis zur Zions-Universität unentgeltlich, und die Schüler müssen bis zur Reifeprüfung in der Mittelschule die gleiche einfache Kleidung tragen. Wir glauben nämlich nicht, dass es moralisch gut ist, wenn der Rang oder Reichtum der Eltern die Kinder in der Schule unterscheidet. Das verdirbt Alle. Die Kinder der Vornehmen werden hochmütig und faul, die Kinder der anderen werden früh ver-

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