Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 8 (8.1902)
- Date
- 1902-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 8. 134. Altneuland, Roman von Theodor Herzl. (Der Verfasser stellt uns einen Abschnitt aus dem vierten Kapitel des fünften Buches noch vor dem Erscheinen des Romans, der im September in den Buchhandel gelangen soll, zur Verfügung. Die Redaktion.) .....„Als Jurist," sagte Friedrich, „als Europäer am Ende des XX. Jahrhunderts frage ich mich, wie diese Gesellschaft im Gleichgewicht erhalten wird. Ich sehe eine Ordnung in der Freiheit, und doch bemerke ich nirgends eine staatliche Autorität hervorlugen." „Ja, Fritze, da liegt der Hase im Pfeffer. Die Juristerei und das Europäertum verdunkeln Euch gar Vieles. Man kann mit sehr wenig staatlicher Autorität auskommen. Wenn Sie, wie ich, drüben in Amerika jelebt und jeliebt hätten, wüssten Sie das besser. Nee, das verblüfft mich nu jar nicht. Wissen Sie, was mich verblüfft, schon die janze Zeit? Das sind die Bäume! Die Bäume in diesem Park sind unter Brüdern ihre fünfzig bis vierzig Jahre alt. Wo haben die Kerls das rausjekriegt?" Er hatte so laut gesprochen, dass ein vorübergehender Herr ihn hörte, lächelte und stehen blieb. Kingscourt redete ihn natürlich sofort an: „Ich sehe, dass Sie über mich in jelinde Heiterkeit jerathen, jeschätzter Vorüberjehender. Wissen Sie vielleicht Antwort auf meine Frage?" „Gewiss, mein Herr", sagte der Angerufene. „Ich diene im Gesundheitsamte und kenne die Verhältnisse einigermassen. Dass man auch erwachsene Bäume verpflanzen kann, ist eine bekannte Sache. In Köln, zum Beispiel, wo ich früher lebte, gab es einen Volksgarten, in dem man vierzigjährige Bäume einsetzte. Das ist freilich recht kostspielig, aber für die öffentliche Gesundheit wird bei uns viel aufgewendet. In den Parks, die für das Volk da sind, ist nichts zu teuer. Es rentiert sich in den kommenden Geschlechtern. Übrigens haben wir nicht überall so alte und kostbare Bäume gesetzt. Wir haben namentlich von Australien jüngere Bäume, rasch wachsende Eukalyptusarten bezogen. Die Mittel wurden Anfangs durch den nationalen Baumverein aufgebracht, der in allen Weltteilen Sammlungen einleitete, als das jüdische Volk noch zerstreut lebte. Die Spender haben schon damals für den Schatten gesorgt, in dem sie später sitzen wollten." „Danke," sagte Kingscourt; „das leuchtet mir ein. Und wenn Sie jetzt noch Ihre Wohlthat vollmachen wollen, dann erklären