Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 8 (8.1902)
- Date
- 1902-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 8. 181. sich etwas darauf zugute thaten." *) Heine spricht auch selbst einmal von dem „idealischen Flegelturn, das Herr John in System gebracht". Dadurch wurde Heine gegen die deutschen Turner sicherlich ungünstig genug gestimmt, in letzter Linie entscheidend waren aber zweifellos weniger ästhetische Stimmungen als politische Empfindungen. Die jungdeutsche Turnbewegung trug ein ausgesprochen national-patriotisches Gepräge, mit dem bei dem deutschen Nationalismus sattsam bekannten antisemitischen Einschlag. Das konnte Heine, trotzdem. er die Taufe an sich hatte vollziehen lassen, nicht sympathisch sein. Niemals war sich der Dichter seiner Zugehörigkeit zum jüdischen Stamme — deren er sich übrigens nie in seinem Leben geschämt hat — mehr bewusst, als nach seinem Übertritt zur herrschenden Landeskirche. Ich darf nur an die von dem „ Christen " Heine an einen Abtrünnigen gerichteten Verse erinnern: O des heiigen Jugendmutes! O, wie schnell bist du gebändigt! Und du hast dich, kühlern Blutes, Mit dem lieben Herrn verständigt. Und du bist zu Kreuz gekrochen, Zu dem Kreuz, das du verachtest, Das du noch vor wenig' Wochen, In den Staub zu treten dachtest! O, das thut das viele Lesen Jener Schlegel, Haller, Burke — Gestern noch ein Held gewesen, Ist man heute schon ein Schurke. Wie Heine nationalen Bewegungen überhaupt gegenüberstand, ob geneigt oder feindlich, lässt sich nicht leicht und mit unbedingter Bestimmtheit entscheiden. Heines Schriften weisen eine Unzahl rein kosmopolitischer Bemerkungen auf, andrerseits aber offenbart sich in dem Dichter-Politiker ein so tiefes und verständnisvolles national-jüdisches Empfinden, dass vor mehreren Jahren sogar eine Schrift erscheinen konnte**), in der er völlig für das National- •) Neuendorff «. ». O. S. 146. *) Heinrich Heine all Nationaljade von Max Jungmann.