Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 7 (7.1902)
- Date
- 1902-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4921092-5965007-5965172--0474-4921540- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 7. 119. zu vermeiden. Und nun zum letzten! Von welchem Gesichtspunkte auch die Frage der Frauenkleidung beleuchtet wird, immer sammeln sich die Strahlen in dem Punkte Korsett: es sind Bannstrahlen; immer steht das Korsett im Brennpunkte kritischer Betrachtungen: o, dass es doch endlich verbrennen möchte! Bei der tief einschneidenden Bedeutung dieses durch die Pietät geheiligten Folterinstrumentes, an dem das Gebot der Feindesliebe von Seiten der Frauenwelt so andauernd beobachtet wird, muss immer wieder auf seine Schädlichkeiten hingewiesen werden. Den gesteigerten Anforderungen, die körperliche Übungen an die Ausdehnung des Brustkorbes stellen, kann man natürlich nur gerecht werden, wenn alle beengende Kleidung schwindet. Wer beim Turnen auf das Korsett nicht verzichten zu können glaubt, der lasse Heber das Turnen ganz, denn er wird nur Schaden für seine Gesundheit davontragen. Denn nur bei ungehemmter Atmung und Blutzirkulation ist eine Kräftigung der von Jugend auf vernachlässigten Lungen und Herzen der Mädchen und Frauen möglich. Die schädigende Wirkung jeder körperlichen Anstrengung, bei der die Eingeweide nach oben hin auszuweichen durch das Korsett verhindert und infolge dessen nach unten gedrängt werden, wobei sie die Beckenorgane gegen den Beckenboden drücken und an ihren Befestigungen zerren, muss einem jeden einleuchten. Ja, durch eine häufige Wiederholung anstrengender Übungen unter den angegebenen Verhältnissen kann eine dauernde Schädigung der Beckenorgane herbeigeführt werden. Bekannt sind ja auch jene Fälle, in denen blühende Menschenleben während des Tanzes vom plötzlichen Tode ereilt wurden, weil die betreffenden jungen Damen sich derart schnürten, dass die untere Hohlvene zusammengepresst wurde und ihr Blutzufluss zum Herzen stockte. — Am besten wird die Bekleidungsfrage beim Schwimmen, „dem Ideal einer gymnastischen Übung", gelöst, mit der gleichzeitig die so häufig vernachlässigte Hautabhärtung verbunden ist. Auch sei an dieser Stelle auf die schon an manchen Orten vorhandenen Lichtluftbäder empfehlend hingewiesen, die die Wasserabhärtung ersetzen können und den Körper nach der Richtung hin stärken, dass er auf Zugerkältungen in nur geringem Maasse reagiert. Wenn wir der Luft und dem Licht, den Grundpfeilern der leiblichen und geistigen Gesundheit, die gebührende Würdigung zuteil werden Hessen, dann würde uns das Strassenbild weniger rachitische und skrophulöse Kinder zeigen, unsere Krankenhäuser würden weniger