Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 7 (7.1902)
- Date
- 1902-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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-NO. 7. 118. sprechend, ins Freie zu verlegen. „Frische Luft ist alles Lebens Gesundheitsbrunnen." Auf einem trockenen, schattigen, staubfreien Turnplatze, dessen Luft durch den Rauch benachbarter Fabriken und schädliche Ausdünstungen nicht verunreinigt werden darf, entfalten die Leibesübungen der Mädchen und Frauen erst ihre volle gesundheitliche Wirkung. Denn zu den Vorteilen der Muskelübung kommt hier, wo der Körper von Luft und Licht umflutet wird, als angenehme, mindestens gleich wertvolle Beigabe, die Abhärtung der Haut und eine Steigerung des gesamten Stoffwechsels hinzu, die sich schon äusserlich durch regeren Appetit, gesteigertes Wohlbehagen und eine gewisse wohlige Müdigkeit äussert. Alle körperlichen Übungen, die ins Freie hinausführen, „alles, was den Körper ermüdet, wobei der Organismus sich langsam verzehrt, um sich unter besseren atmosphärischen Bedingungen, in einer Umgebung die die Lebensprozesse anregt, wieder zu ersetzen, alles dies macht die Grundlage der wahren und guten Gymnastik aus" (Angelo Mosso), und ich möchte hinzufügen: besonders aber der weiblichen Gymnastik; denn die von früher Jugend auf vernachlässigten Blutkreislaufs¬ und Atmungsorgane der Mädchen haben einen Anspruch auf Leibesübungen, die auf die Kräftigung dieser Organe in frischer Luft ganz besonders hinzielen. Turnkleidung. Die Lust an körperlicher Bethätigung wächst in dem Masse, wie die Kleidung leichter und bequemer wird. So sehen wir auch überall da, wo weibliche Leibesübungen mit wirklichem Interesse betrieben werden, eine zweckentsprechende Umgestaltung der Kleidung, wenn wir es auch nicht bis zu dem leichten Überwurfe der Spartanerinnen bringen können. Immerhin genügt eine Turnkleidung, wie wir sie jetzt fast allenthalben sehen, den Anforderungen an Bequemlichkeit und Decenz. Angerstein empfiehlt ein etwa bis zur Mitte der Unterschenkel reichendes Blusenkleid, das um die Hüfte durch einen Gürtel geschlossen wird, mit lang binabreichenden geschlossenen Beinkleidern. Der Brustteil, der Ärmel- und Halsausschnitt muss genügend weit sein, um den Bewegungen freien Spielraum zu gewähren. Durch den Kleiderstoff darf weder die Wärmeabgabe noch die Ausdünstung gehindert werden. Die Schuhe sollen bequem und doch fest sitzen und mit niedrigen, breiten Absätzen versehen sein. Ein Festbinden der Strümpfe und Unterkleider, die von der Schulter getragen werden sollen, sowie jedes Feststecken mit Nadeln ist