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Jüdische Turnzeitung · 1902-07-01 · 7 (7.1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
7 (7.1902)
Date
1902-07-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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No. 7. 115. die ganze Frage scheint mir mehr eine Frage der Individualität zu sein, die eng mit der Auffassung des Turnwesens überhaupt verknüpft ist. Betrachtet es der Turnverein als seine Aufgabe, durch tüchtigen Drill einen solchen „Zug", eine solche Einheitlichkeit in die Vorführungen seiner Mitglieder zu bringen, dass bei den diversen Schau-, Festetc.-Turnen alles wie am Schnürchen klappt, so ist für die geschilderte Kategorie von Turnern natürlich kein Raum im Verein, und längst wäre es Pflicht solcher Vereine gewesen, sich durch ärztliche Untersuchung, wie sie H. Arndt vorschlägt, nur gesunde Mitglieder zu sichern. Will der Turnverein aber vor allen Dingen die Stätte sein, wo jedes Mitglied die rationelle Ausbildung seines Körpers findet, so muss er unweigerlich auch den oben gekennzeichneten Turnern seine Pforten öffnen; hier bedarf aber der Vorschlag des Verfassers des diskutierten Aufsatzes einer Änderung, der Kreis der Turntauglichen muss weiter gesteckt werden. Der Neurastheniker darf natürlich anfangs nur Übungen machen, die seinen Mut und seine Geistesgegenwart auf keine gefährliche Probe stellen, wer einen Herzfehler oder eine Herzerweiterung hat — vielleicht durch übermässiges Turnen erworben —, wird unter Verzicht auf Kraft- und Dauerleistungen die Genugthuung haben, durch systematisch betriebene, einfache, leichte Übungen seine Muskelkraft auf der alten Höhe zu erhalten; ja, unter den geeigneten Cautelen für sich und seine Mitturner kann auch dem, der der Lungentuberkulose seinen Tribut zu entrichten droht, das Turnen zum Segen gereichen, indem er seine Brustmuskulatur an Reck und Barren und durch eifrige Atemgymnastik stählt, — natürlich in staubfreier Luft. Man sieht, die vorgeschlagene ärztliche Untersuchung ist in der That unbedingt erforderlich, aber nicht mit der Tendenz, jeden auszuschliessen, der nicht das Gesundheitsprädikat „gut" hat, sondern der Hauptsache nach, um den Turner hinsichtlich der Wahl und Dosierung der Übungen zu beraten und dem unglückseligen Schematismus in dieser Beziehung ein Ende zu machen; das betrifft auch den körperlich untadligen Turner, der z. B. als Verkäufer tagsüber hat stehen und gehen müssen und am Abend im Verein am Bock und Langpferd übt, statt vor allem zu den Ringen und zum Barren zu gehen, falls er nicht Hantel und Keulenübungen vorzieht. Auch ihm wird eine sachgemässe ärztliche Untersuchung zu gute kommen. Dies der prinzipielle Standpunkt, den man unseres Erachtens in dieser Frage einnehmen sollte, auch wenn die Schwierigkeiten,

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