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Jüdische Turnzeitung · 1902-07-01 · 7 (7.1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
7 (7.1902)
Date
1902-07-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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No. 7. 114. Turntauglichkeit. Im vorletzten Hefte dieser Zeitschrift behandelt H. Arndt in einem „Ein Vorschlag zur Reform" betitelten Aufsatz die Notwendigkeit der ärztlichen Untersuchung für Turnvereine. Die eminent wichtige Frage verlangt um so dringender diskutiert zu werden, als auch von anderer Seite neuerdings ähnliche Anschauungen in einer anderen turnerischen Zeitschrift verlauteten. H. Arndt verlangt bekanntlich, die Turnvereine sollen nur gesunde Menschen aufnehmen, Kranke aber abweisen resp. ausschliessen, und zwar i) im Interesse der Kranken, die durch das Turnen und den Staub geschädigt werden, und 2) im Interesse des Vereins (Ansteckungsgefahr, Herunterdrücken der Leistungen). Körperlich Schwache, übrigens aber Gesunde, sollen unter bestimmten Cautelen turnen. So selbstverständlich diese Vorschläge klingen, so einfach die Ausführung erscheint, so radikal und einschneidend sind sie dennoch. Übrigens: wenn wirklich die Turnvereine nur gesunde Mitglieder hätten, wenn, bei geringerer Mitgliederzahl, die Leistungen unerhört stiegen, was wäre für das Volkswohl, speziell für die körperliche Regeneration des jüdischen Volkes, als deren vornehmstes Werkzeug wir das Turnen schätzen, gewonnen? Gerade die frischen, kernigen Zweige bedürfen doch der Wartung am wenigsten; nein, da das Turnen der Sache des ganzen Volkes dienen soll, so haben wir auch die Pflicht, es so zu gestalten, dass es nicht blos einer verhältnismässig beschränkten Zahl, sondern der Allgemeinheit im weitesten Sinne zugänglich sei. Das wird aber nicht erreicht, wenn wir den Begriff der Turntauglichkeit mit dem allgemeinen der Gesundheit zusammenfallen lassen. Sind denn Leute, die stark kurzsichtig sind oder andere, die das Pech haben, mit dem Innenrand ihrer Fusssohle aufzutreten (Plattfüssigkeit wird ja den Juden Unbewiesenermassen besonders nachgesagt), oder Leute mit ausgeglichenem Herzfehler oder starke Neurastheniker durchaus ungeeignet zur Aufnahme in den Turnverein? Zwar beim Weitsprung würde es dem stark Kurzsichtigen ohne festsitzende Brille schlecht gehen, und am Reck und Barren dürfte er kaum Meister werden, ebenso wie der Plattfüssler wenig Freude am Marschieren, der Mann mit dem ausgeglichenen Herzfehler am Dauerlauf und der Neurastheniker an dem Lärm seiner Turngenossen haben werden. Aber keiner von ihnen ist ja gezwungen, gerade das zu thun, was ihnen nicht bekommt, kurz,

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