Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 7 (7.1902)
- Date
- 1902-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 7. 112. solche turnerischer Natur, nicht mit den Muskeln, sondern mit den Bewegungscentren im Gehirn aus. Unsere Muskel sind hervorragend entwickelungsfähig. Man kann ohne Übertreibung sagen: niemand braucht sich mit den Muskeln zufrieden zu .geben, die er hat. Jeder kann vielmehr die Muskeln haben, die er selbst wünscht. Methodische, ausdauernde Übung ist alles, was dazu nötig ist. Jeder Jude, der sich schwach glaubt oder schwach ist, hat es also in der Hand, sich eine Athletenmuskulatur zuzulegen, vorausgesetzt, dass er kein organisches Leiden hat, das ihm Leibesanstrengungen überhaupt verbietet. Kraft ist aber bekanntlich beim Turnen nicht das Ausschlaggebende. Ein gewisses Mass von Leistungsfähigkeit muss man von den Muskeln natürlich fordern, doch ist Bärenstärke keineswegs erforderlich. Worauf es wesentlich ankommt, das sind drei Bedingungen: erstens rücksichtslose Kühnheit, zweitens vollkommene Beherrschung aller Muskelgruppen, deren genaues, harmonisches Zusammenwirken bei der Ausführung einer verwickelten Bewegung erforderlich ist, drittens rasche und scharfe Ausarbeitung des Bildes der auszuführenden Bewegung in der Vorstellung unter energischer Ausschliessung aller Hemmungsvorstellungen banger oder zweifelnder Natur. Diese drei Bedingungen werden aber ausschliesslich vom Gehirn, vom Geiste erfüllt, dessen willenlos ergebene, unbedingt willfährige und zuverlässige Diener die Muskeln sind. Geistige Flinkheit, Helle und Schärfe ist die notwendige Voraussetzung der leiblichen Geschmeidigkeit und Gewandtheit. Das eine deckt sich vollkommen mit dem andern. Man verstehe mich nur recht. Ein kluger, beweglicher, durchdringender Verstand allein macht noch keinen Athleten, wenn das Muskelsystem nicht durch Übung die unerlässliche Entwickelung erlangt hat. Aber keine angeborene oder erworbene Muskelkraft ist im Stande, aus einem stumpfen, einfältigen, langsamen Tölpel einen Athleten zu machen. Ich kenne keinen einzigen Sport, es wäre denn vielleicht der rohe und geistlose Fussball, wo der klobige, brutale Tolpatsch dem pantherähnlich blitzgewandten Geistesmenschen überlegen wäre oder auch nur gleichkäme. An unserer geistigen Begabung zweifeln auch unsere Todfeinde nicht. Sie müssen uns, wenn auch widerwillig, Verstandesschärfe, geistige Beweglichkeit, schnelle Auffassung zugestehen,