Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 6 (6.1902)
- Date
- 1902-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 6. 95. klanglos zu Grabe getragen worden waren, entgangen zu sein und sich selbst unter sicherem Dach und Fach zu wissen. Dieser Kampf ums Dasein dauerte bei den meist ebenso turnbegeisterten wie turnunkundigen Gründern natürlich längere Zeit und hat auch für einige wenige Vereine noch heute leider nicht sein Ende gefunden. Was Wunder, wenn damals die Forderung nach gemeinsamer Organisation lautlos verhallte! Die meisten jüdischen Turnvereine haben jedoch heute schon ihre Feuerprobe hinter sich. Wenn sie auch jetzt noch nicht so erstarkt sind, dass sie sich jeder Bangigkeit vor der Zukunft sicher fühlen, so sind sie doch schon so in sich gefestigt, dass sie der' Kirchturmspolttik entsagen und sich ein grösseres Arbeitsfeld wählen dürfen. Die jüdische Turnerschaft fühlt heute allgemein das Bedürfnis nach engerem Zusammenschluss der einzelnen Vereine und verspricht sich von dem Zustandekommen der Organisation mit gutem Rechte gleiche Erfolge für die Gesamtheit wie für den einzelnen Verein. Es erscheint zweckmässig, bevor die Verhandlungen über einen Verband offiziell eingeleitet werden, zur Klärung der Sachlage und leichteren Verständigung alles das kurz zusammenzufassen, was über die Notwendigkeit und den Zweck sowie über die Organisation des Verbandes gesagt werden kann. Man könnte die Notwendigkeit eines Verbandes jüdischer Turnvereine mit der schönen Theorie begründen, dass es im Wesen des Menschen als eines £üjgv toXi'W.öV (Gesellschaftstiers) l'ef>e, sich zu engeren und über diesen stehenden, weiteren Verbindungen zusammenzuschliessen und dass schon um dieses Naturgesetzes willen wir uns organisieren müssen; doch Scherz beiseite! In der Praxis stellt sich die ganze Frage einfach als eine Frage der Selbsterhaltung der jüdischen Turnvereine dar. Was könnte auch der einzelne, noch so gut geleitete Verein in weiteren Kreisen für die Anerkennung des Turnens unter den Juden und die Verbreitung der jüdisch-nationalen Gesinnung leisten? Es bleibt im besten Falle eine, durch räumliche Grenzen von selbst gegebene lokale Einwirkung. Wie ganz anders ein Verband, der die zerstreuten, mit geringem Nutzen arbeitenden oder gar wirkungslos verpuffenden Kräfte zur bedeutsamen Arbeit fürs Ganze zwingt und überflüssige Kraftverschwendung vermeidet! Mit der Arbeitsersparnis verbindet sich die an der rechten Stelle einsetzende, weithin wirkende Agitation unter Mitgliedern und Fremden für das