Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 6 (6.1902)
- Date
- 1902-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 6. 94. Den Schutz dagegen bietet nur die Perhorrescierung der öffentlichen Schaustellung, welche den Sport seines Selbstzweckes und seiner Würde entkleidet. Im engen Kreise, mögen die Sportgenossen ihre Kräfte gegenseitig messen. Da werden denn auch jene für Gesundheit und oft sogar das ganze Leben schädlichen Einwirkungen einer so „maximalen Muskelarbeit", wie sie der öffentliche Wettsport allemal erfordert, hinten angehalten werden. Glücklicherweise gestattet das Turnen, dessen Förderung der Hauptzweck dieser Zeitung ist, überhaupt nicht derartige excessive Wettveranstaltungen, wie sie auf den Gebieten des Radsportes, des Distanzgehens u. dgl. in den letzten Jahrzehnten hervorgetreten sind. Darum verdienen die Turnübungen trotz aller modernen Konkurrenz noch immer die Palme unter den zahlreichen Arten des Sports. Ihr Wert bleibt stets auf den Selbstzweck beschränkt! Der Wettsport erfordert ja nur eine gesteigerte Inanspruchnahme der Körperkräfte und kann deshalb höchstens eine vermehrte Nahrungsaufnahme, aber keine qualitativen Änderungen derselben erheischen. Der kolossale Verbrauch an Körpersubstanz muss schnell wieder ersetzt werden. Fast immer bleibt dabei aber ein Körpergewichtsverlust als Defizit zwischen Ausgabe und Einnahme zurück. Damit ist schon das Urteil über den Wettsport vom Gesichtspunkt der Ernährungsphysiologie aus gesprochen! Die Frage eines Verbandes jüdischer Turnvereine. Von M. Zirker. A ls vor nunmehr genau zwei Jahren der Turnverein „Bar Kochba"- Berlin in einem Aufruf an die jüdischen Turnvereine deren Zusammenschluss zu einem Verbände forderte, blieb dieser Ruf fast ohne Widerhall. Die Ursache dieses Schweigens, das wir damals als Gleichgiltigkeit für unsere Sache auffassten, ist uns heute erklärlich. Sie liegt einfach darin, dass die neugegründeten Turnvereine noch um ihre eigene Existenz zu bitter zu kämpfen hatten, als dass sie es wagen durften, den Blick über dieses nftchste Ziel hinaus zu richten. Es galt, zahllose materielle wie ideelle Hemmnisse aus dem Wege zu räumen, und man schätzte sich glücklich, dem Schicksal so mancher Vereine, die nach einem kurzen und stillen Leben im jüdischen Blätterwalde sang- und