Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 6 (6.1902)
- Date
- 1902-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 6. 93. einer anstrengenden Übung soll der Körper mit einer reichlichen Mahlzeit versorgt werden, um Verbrauchsmaterial für die Muskelarbeit genügend in Vorrat zu haben. Aber andererseits ist auch vor Überladungen des Magens dringend zu warnen, weil sie die Beweglichkeit hemmen. Auf der Höhe der Verdauung, d. h. innerhalb der ersten zwei bis drei Stunden nach einer Hauptmahlzeit, sollten nie grössere Kraftanstrengungen gemacht werden. Eine besondere Erörterung verdient noch das Trinken. Die Mehrzahl der Getränke sind überhaupt keine Nahrungs-, sondern Genussmittel. Auch den alkoholischen Getränken kommt nur ein sehr beschränkter Nährwert zu, der durch die Giftwirkung des Alkohols auf das Protoplasma der Gewebszellen zudem vollends paralysiert wird. In stärkerer Konzentration und grösseren Mengen ist jedes alkoholische Getränk ein schwächendes Reizmittel für das gesamte Nervensystem und sowohl mittelbar wie unmittelbar auch für die Funktion der Muskeln. Deshalb ist der Alkohol aus der „Diätetik der Leibesübungen" am besten ganz zu streichen. Jedenfalls soll im Genuss desselben möglichste Enthaltsamkeit geübt werden. Unschädlich ist die erfrischende Wirkung eines Glases Bier nach der Übung. Dieselben Dienste leisten aber auch Fruchtsäfte, Fruchtlimonaden, Obstweine u. dgl. m. Es kommt hier alles nur auf Gewohnheit an! Die Entalkoholisierung bildet einen wesentlichen Teil der hygienischen Regelung der Lebensweise, der sich alle diejenigen ernsthaft zu befleissigen haben, welche in Leibesübungen irgend welcher Art dauernd Hervorragendes leisten wollen: Früh ins Bett und früh wieder auf, 7—8 Stunden Nachtschlaf, regelmässige Mahlzeiten, zweckmässige Verteilung der Arbeitspausen am Tage, keine Kneipgelage und Cafe-Bummeleien am Abend u. dgl. m. Diese Erweiterung des Begriffes „Diätetik" ist nur eine Wiederherstellung eines ursprünglichen Umfanges! Zum Schluss noch zwei Worte zur Erörterung der Frage, ob etwa die körperlichen Überanstrengungen beim „Wettsport" eine besondere Ernährungsweise erfordern. Es ist im höchsten Maasse bedauerlich, dass heute schon vielfach der Begriff „Sport" mit dem des „Wettsports" kurzweg identifiziert wird. So energische Förderung jeder Sport verdient, der im Sinne und Zwecke einer Leibesübung betrieben wird, so entschieden muss der „Wettsport" verurteilt werden, der zumeist nur geschäftlichen, gewerblichen, sensationellen Interessen u. dgl. dient. Der Wettsport hat auf den meisten Gebieten des Sports zu einer Entartung desselben geführt.