Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 6 (6.1902)
- Date
- 1902-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 6. 91. In unkluger diplomatischer Taktik, wie sie einseitigen Fanatikern oft zu eigen zu sein pflegt, schiessen sie aber stets weit über das Ziel hinaus und behaupten die Überlegenheit der Pflanzerikost. Insbesondere betonen sie das immer für die Dauerleistung. Fleischnahrung befähige zwar zu schneller Kraftentfaltung, zu momentaner starker Muskelarbeit, Pflanzenkost aber mehr zu andauernder Kraftleistung. Die Berufung auf die Tierwelt als Zeugen für die Richtigkeit dieses Verhältnisses beweist aber noch lange nichts für den Menschen. Hier spielt die Energie des vernunftbegabten Gehirns noch eine ausschlaggebende Rolle. Auf dem Gebiete des Dauersports haben wir bisher Erfahrung im Distanzgehen, Distanzreiten und Radfahren. In allen drei Sportübungen haben Fleischesser Hervorragendes geleistet und oft Siege davongetragen. Dass im Dauerreiten sich schon einmal ein Vegetarier hervorgethan habe, ist nicht bekannt geworden. Bei dem 24Stündigen Radrennen auf der Halenseer Bahn, bei dem bekannten 72stündigenRad-Wettsport in Amerika und anderen ähnlichen Veranstaltungen, die sowohl vom sportlichen wie hygienischen, überhaupt von jedem Gesichtspunkte aus widersinnig erscheinen, hat man von Vegetariern kaum etwas gehört. Im Distanzmarsch ist von Fleischessern der verschiedenen Sportklubs Berlins und anderer Grossstädte schon ganz Erstaunliches geleistet worden. Wenn wirklich, was bisher aber statistisch durchaus noch nicht nachgewiesen ist, die Vegetarier in diesem Sport grössere Leistungen aufzuweisen haben sollten, so würde sich eine ganz ungezwungene Erklärung für eine solche Thatsache in dem Umstände finden lassen, dass dieser Sport von den Vegetariern mit Rücksicht auf die Grundsätze ihrer gesamten Lebensweise stets ganz besonders gepflegt worden ist. Die Vegetarier streben dem Ideal des „Naturmenschen" nach und wandern deshalb stets zu Fuss (sogar um die Welt gelegentlich!), mit einigen Datteln oder anderem billigen Obst und Brot in der Tasche. Viele Wege führen nach Rom, und mannigfache Wege der Ernährung bieten sich demjenigen dar, der seine Kraft in Leibesübungen stärken will. Die Erhaltung des Körperbestandes und der Wiederersatz des verbrauchten Körpermaterials wird am sichersten gewährleistet durch eine Nahrung, welche, an Menge ausreichend, die einzelnen Nahrungsstoffe (Eiweiss, Fett und Kohlehydrate) in demjenigen Verhältnis zueinander enthält, das für den gesunden Menschen überhaupt als zweckmässig erkannt ist. Unter Vermeidung aller Extreme, die unter abnormen Verhältnissen oder C*