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Jüdische Turnzeitung · 1902-05-01 · 5 (5.1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
5 (5.1902)
Date
1902-05-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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No. 5. 87. Bielitz. Hauptversammlung des Bielitz Bialaer Jüdischen Turnvereins. Der Obmann Herr Dr. Haas begrüsste die Anwesenden und nach einigen einleitenden Worten kam er auf die Schicksale des jungen Vereins zu sprechen und sagte ungefähr: Das abgelaufene Jahr sei das bewegteste während des kurzen Bestandes des Vereins. Zwei Ereignisse, obzwar entgegengesehen Ursprunges, doch gleichen Charakters drängten sich in den Vordergrund, Ereignisse, die in der Antipathie gegen die jüdische Turnerschaft gipfelten. Einmal wäre letztere von den eigenen Nationsgenossen aus dem alten Heime gejagt, das andere Mal aus der deutschen Turnhalle Verstössen worden. Wurde im ersten Falle der Unterschied zwischen hoch und niedrig gezeitigt, so kam im zweiten die Differenz zwischen Juden und Ariern zur deutlichsten Veranschaulichung. Lehrte die Verbannung aus der jüdischen Schule durch die jüdischen Notabein den Plebejerstolz, so inaugurierte letzteres Geschehnis den Judenstolz. Er wolle nur diese Facta konstatieren und deshalb auch über den Ausschluss der hierortigen Juden aus dem deutschen Turnvereine keine Debatte veranlassen, weil eine solche unplaziert wäre. Jene ausgeschlossenen oder abgewiesenen Herren mögen selbst die Verteidigung ergreifen. Die Mitglieder des jüdischen Turnvereins wären, obgleich jugendlich, doch von genügendem Weitblick gewesen, um sich frühzeitig eine gesicherte Position zu schaffen. Allein zwei Thatsachen erheischen eine Richtigstellung, soweit sie das allgemeine Judentum und den Verein insbesondere beträfen. Man sprach von einer Gefahr des Deutschtums seitens der Juden. Das habe Ähnlichkeit mit der Fabel vom Wolfe, dem das Lämmchen das Wässerlein trübe. Es wäre ein seltsames Bild, wie die knorrige Eiche vor der schmiegsamen Ceder erbebe. Die Gründung des jüdischen Turnvereins könne nicht die Ursache der Ausweisung sein, weil es gerechtermassen jedem Individuum gestattet sein müsse, sich nach seinen Anschauungen ausleben zu dürfen, sotern damit die Umgebung nicht geschädigt werde. Übrigens wäre mit der angezogenen Begründung die bedingte Mitgliedschaft der Juden deutlich ausgesprochen, d. h. anerkannt worden, dass die Juden solange nur als Turner im Vereine geduldet würden, als deren Stammesgenossen keinen eigenen schüfen, also Mitglieder auf Kündigung. Sie klinge wie eine Entschuldigung und wie eine Beleidigung zugleich. Oftmals klage sich an, wer sich entschuldige, und beleidige der, welcher auf seine Macht poche gegenüber dem Schwächeren. Diesen Antipathien stünden die ausserordentlichen Sympatfiien der breiten Schichten der jüdischen Bevölkerung entgegen, Ihnen habe der jüdische Turnverein seinen Aufschwung zu danken; hier lägen die Wurzeln seiner Kraft. Solange man nicht emporschielen, sondern bloss emporschauen werde, würde man auch Bundesgenossen finden. Mit dem Augenblick aber, da man um die Liebe solcher, deren Zuneigung man nicht besitze, buhle, entwerte man sich selbst, abgesehen davon, dass man unklug handle: denn zur Liebe lösst sich niemand zwingen. Nach Verlesung des Protokolls der letzten Generalversammlung und des Jahresberichtes erstatten der Kassierer und Gerätmeister die Berichte, aus welchen zu entnehmen ist, dass der Verein Uber ein Baarvermögen von 1962,43 K. und über ein Inventar an Geräten im Werte von 1204,66 K. verfügt. Die

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