Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 5 (5.1902)
- Date
- 1902-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5. 78. und sittlicher Verirrung und Verbildung ist." Und wer von denen, an die diese Worte gerichtet sind, an eine Übertreibung glaubt, der sehe sich nur die blassen Wangen eines nicht geringen Teiles unserer weiblichen Jugend am Ende der Wintersaison mit ihrer geselligen Hetzjagd an: er wird die Quittung für geopferte Nächte in deutlicher Schrift finden. „Man wandelt nicht ungestraft durch die Nächte!" Allmählich erkennt man ja die Schäden dieser einseitigen Dressur, und als gesunde Reaktion dagegen sehen wir jetzt Scharen von Mädchen und Frauen sich den verschiedenen Zweigen der Leibesübungen zuwenden. Wie die Zeit noch nicht allzu weit zurückliegt, in der sich eine Dame auf dem Eise oder dem Rade nicht zeigen durfte, so ist auch hoffentlich der Zeitpunkt nicht mehr fern, wo jeder Vater, jede Mutter in dem Erziehungsplan ihrer Töchter der körperlichen Ausbildung den gebührenden Rang einräumen werden. Eine allseitige Durchbildung des Körpers, wie sie als erstrebenswertes Ziel uns vor Augen schwebt, bietet uns das Turnen. Wenn uns der Turnpädagoge Klumpp daran erinnert, dass das Weib als Mutter und Krankenpflegerin der Gesundheit und Kraft bedarf, so muss uns dieser Hinweis genügen, ernstlich auf eine Erziehung bedacht zu sein, die dem weiblichen Geschlecht, „bei dem Lebensweise, Kleidung, Vergnügungen und eine durch tausend Verkehrtheiten erzeugte und beförderte Frühreife so recht eigentlich darauf berechnet zu sein scheinen, die körperliche und geistige Gesundheit zu untergraben und unsere Mädchen zu schwächlichen Hausfrauen, zu verstimmten Gattinnen und zu kränklichen Müttern eines in jeder Generation mehr verkommenden Geschlechtes zu bilden", Kraft und Gesundheit wiedergiebt. „Eine Mutter, welche für die ältere Schwester ihrer blühenden Tochter gehalten wird, verdient eine Bürgerkrone", ruft Diesterweg aus. Nicht nur Pädagogen, sondern auch eine Reihe von Ärzten hielten es für ihre Aufgabe, dieser in nationaler Beziehung überaus wichtigen Frage ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. Und so gab die Berliner Medizinische Gesellschaft im Jahre 1864 folgendes Gutachten ab: „Es ist eine allgemeine, festgestellte Erfahrung, dass unsere weibliche Jugend, zumal die städtische, überaus häufig, und namentlich verhältnismässig häufiger als die männliche Jugend, Gesundheitsstörungen erleidet, welche um so beklagenswerter sind,