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Jüdische Turnzeitung · 1902-04-01 · 4 (4.1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
4 (4.1902)
Date
1902-04-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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No 4. 64. zu gebraueben. Als tapfere Gefährten zogen sie mit ihren Männern in das wogende Schlachtgetümmel und hielten wacker stand. Erst im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Notwendigkeit betont, die Leibesübungen zu einem Bestandteil der weiblichen Erziehung zu machen. . Pädagogen wie Locke und Rousseau, Ärzte wie Füller und Tissot erhoben ihre Stimme. Ja, Dr. Frank (1784) verlangte vom Staate, er solle für die körperliche Thätigkeit der Mädchen sorgen. „Was nützen dem Staat", so sagt er, „die gestickten Bilder und Schuhe, was die unförmlichen Spitzen und Manschetten, zu einer Zeit dahin getändelt, wo der weibliche Körper zu seiner künftigen Bestimmung und zu allen Verrichtungen des gesellschaftlichen Lebens abgehärtet und zu einer künftigen dauerhaften Gesundheit der Grund' gelegt werden sollte?" Ferner waren es Basedow, der Begründer des Philantropinismus, und Guts Muths, der Schöpfer des ersten deutschen Turnbuches*), die Leibesübungen für das weibliche Geschlecht empfahlen, ohne sich bis zu einer „förmlichen Gymnastik" zu versteigen. Guts Muths weist dabei auf Rousseaus Ausspruch hin: „Zartheit ist nicht Entkräftung, und man braucht nicht ungesund zu sein, um zu gefallen." Diese Ansicht unterstützte Pestalozzi, der durch die Ausbildung des Bewegungstriebes beim Kinde auf die Entwickelung seiner körperlichen Anlagen bedacht ist, so wie Jean Paul, der von Knaben und Mädchen verlangt, sie sollten laufen, steigen, werfen, bauen, schwitzen und frieren. „Der Tanz", sagt er, „kann nicht früh genug kommen, der Tanzmeister leichter zu früh als zu spät." In seinem 1810 erschienenen „Deutschen Volkstum" fordert Jahn mässig und weiblich betriebene Leibesübungen. Erwähnt sei sein Wunsch, jedes Geschlecht solle das Tanzen gesondert lernen. Während er auf der einen Seite vom weiblichen Geschlecht Fertigkeit im Schiessen verlangt, spricht er sich andrerseits gegen das Fechten aus, das nach seiner Ansicht den milden Blick verstiert und dem weiblichen Körperbau zuwider ist. Waren auch die Sinner und Förderer des Turnwesens von der Notwendigkeit geregelter und planmässiger Leibesübungen für das weibliche Geschlecht durchdrungen, wenn sie auch durch ihr Beispiel im Mädchenturnunterricht wirkten, so hat sich doch keiner von ihnen dazu aufgeschwungen, ein brauchbares Lehrbuch für dieses Gebiet zu schaffen. Und dringend notwendig war ein •*) .Gymnastik für die Jugend* 1793.

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