Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 4 (4.1902)
- Date
- 1902-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4. 68. Möge diese Vorschrift in jene Kreise dringen, in denen man eine klare Vorstellung vom jüdischen Leben nicht hat oder haben will. Ein jeder jüdische Turner aber möge sie wiederfinden in seinem Losungsworte IfÖKl ptn Sei stark und fest! Das Turnen der Mädchen und Frauen. Von Richard Blum. I. Geschichtliches. In grauer Vorzeit tritt uns bereits das sagenhafte Volk der Amazonen entgegen, die in männlicher Kraft und Waffentüchtigkeit aufwuchsen und den heissesten Kampf nicht scheuten. Aus der ältesten Geschichte der Ägypter erfahren wir, dass die ägyptischen Mädchen vor 4000 Jahren Ballspiele pflegten, die grosse Übung und Geschicklichkeit erforderten. An die streitbaren Amazonen Erinnern uns die Frauen der Inder, die zu Pferde an den Jagdzügen teilnahmen und in der Waffenführung so geübt waren, dass es uns nicht Wunder nehmen kann, wenn sich indische Fürsten zu ihrem persönlichen Schutze mit einer Leibwache tapferer Frauen umgeben haben. Bei den Israeliten wurden, wie uns die Bibel erzählt, Tänze und Reigen geübt, zwei Arten der Leibesübung, die wir in alter Zeit — häufig bei religiösen Festen und Festlichkeiten — überall finden. Eine planmässige körperliche Erziehung der Mädchen finden wir erst bei den Griechen, und hier besonders bei den Spartanern. Lykurg ordnete in seiner Gesetzgebung die Leibesübungen für die weibliche Jugend an, um kräftige Mütter und einen gesunden und kraftvollen Nachwuchs zu erziehen. Laufen, Diskus- und Speerwerfen, Ringen, Tanzen und der Springtanz mit Anfersen waren die Übungen, die den Spartanerinnen Kraft, Gewandtheit und Gesundheit verschafften. Alle 5 Jahre wurde den Jungfrauen in den Wettkämpfen zu Elis Gelegenheit geboten, ihre Kräfte im Wettlauf zu messen; der Siegespreis bestand in Olivenzweigkränzen. Bei den ernsten Römern fand die weibliche Gymnastik, die von den Römerinnen der Kaiserzeit wohl nur zu Schauzwecken getrieben worden ist, wenig Anklang. Eine frohe Waffenfreudigkeit herrschte dagegen bei den Frauen der alten Germanen. Geschickt in der Handhabung von Speer und Bogen, verstanden sie es, diese Waffen zu ihrer Verteidigung im Notfalle