Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 4 (4.1902)
- Date
- 1902-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 4. 62. Immerhin preist die Bibel an zahllosen Stellen die Körperkraft als ein Bild für die Geisteskraft, sei es in der Vergleichung oder sei es im Hinweise auf die Entwickelung beider Kräfte. Das altrömische mens sana in corpore sano erscheint da in ganz anderer Illustration. Nicht K, die robuste Kraft allein, sondern mi33 die mit ihr verbundene sittliche Kraft entscheidet. „Nicht durch Heeresmacht und nicht durch Menschenkraft, sondern nur durch meinen Geist", hört Serubabel in Secharja 4,6. Darum preisen wir im täglichen Gebet Gott dafür „dass er Israel mit mi33 mit der Harmonie beider Kräfte umgürtet hat". Ja, es wird im nachbiblischen Schrifttume geradezu also eine unerlässliche Vorbedingung für den Gottesmann, der öffentlich wirken will, gefordert, dass er weise sei, reich zugleich, um seine Unabhängigkeit zu bewahren und seinen Einfluss zu erhöhen und endlich stark, um die Herrschaft über sich zu gewinnen, aber auch seine physischen Kräfte im Dienste des Geistlichen, des Guten und Wahren, zu verwerten. Ein klassisches Wort in den Sprüchen der Väter (Kap. V. Mischnah 2^) hören wir im Namen Jehuda's des Sohnes Themas. Es lautet: „Sei kühn wie ein Leopard, leicht wie ein Adler, schnell wie ein Hirsch, und stark wie ein Löwe, aber — um den Willen deines Vaters im Himmel zu vollführen! Wollte der jüdische Turner sich ein Losungswort aus der Bibel wählen, so gäbe es kein besseres, als das dreimal wiederholte Wort an Josua (K. I Vers 6, 7 und 18): föKT prn „Sei stark und fest!" Die Mahnung zum ersten Male galt der physischen Kraft „denn durch dich soll das Volk das Land in Besitz nehmen". Die Mahnung zum zweiten Male galt der religiösen Kraft „zu beobachten und zu thun ganz nach der Lehre, die dir mein Knecht Mose geboten". Zum dritten Male hört Josua dieses Wort vom Volke an ihn gerichtet. Merkwürdigerweise klingt diese Mahnung an jene an, mit der der jüdische Religionscodex beginnt, indem die erste Vorschrift für das Tageswerk lautet (Tur Orach Chajim §1); Der Mensch soll sich wie ein Löwe stark machen, wenn er früh aufsteht, und in den Dienst Gottes treten. Hierzu gehört nach den Auslegern „vor allen das Gebot der Nächstenliebe sich in Erinnerung zu bringen, und dann zum Gebete sich anzuschicken".