Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 4 (4.1902)
- Date
- 1902-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Ho. 4. 58. Der erste Mensch im Garten Eden erhielt die Bestimmung, „ihn zu bearbeiten und ihn zu bewahren", d. h. vor Unkraut. Denn später beim Fluche wird gerade hervorgehoben, dass der Boden Dornen und Disteln wird wachsen lassen. Das Feld eines Trägen schildert das Spruchbuch (24, 30 u. 31), wie es ganz in Dornen aufgeht, seine Fläche mit Nesseln bedeckt und seine steinerne Mauer niedergerissen ist. Aber dieser Fluch „im Schweisse deines Angesichtes sollst du dein Brod essen" ist in der Wirklichkeit ein Segen, der Lohn der Arbeit und des menschlichen Fleisses. „Süss ist der Schlaf des Arbeiters, er esse wenig oder viel", sagt der Prediger (5, 9). Ünsere alten Lehrer haben den Schriftvers „Und Gott wird dich in allem Thun deiner Hände segnen" mit der Mahnung begleitet „hieraus möge man erkennen, dass der Segen nur für das Thun, für die Arbeit verheissen wird". Das Brot wird daher in der hebräischen Sprache Lechem genannt, dessen Wurzelwort die Bedeutung von „kämpfen" hat. Denn nur im Kampfe mit dem Erdboden und den Elementen wird das Brot gewonnen. Erst die später ausgebildete arabische Sprache hat diesen Begriff ausgedehnt und auf das Fleisch übertragen, welches sie mit Lechem benennt. In diesem Kampfe werden die Körperkräfte entwickelt und in ihrer Stärke gesteigert. Von ausserordentlicher Menschenkraft weiss die Bibel an mehreren Stellen zu erzählen. Allerdings sind es ganz besonders ausgezeichnete Männer, welche, gottbegnadet, die ihnen verliehene physische Kraft in den Dienst des Göttlichen und Guten stellen. So Abraham, der mit seinen 300 bewaffneten Hausgebornen vier verbündete Heere in die Flucht schlug und nach erreichtem Siege nichts von der gemachten Beute für sich annehmen wollte (i. Buch Moses 14, 23). Jonathan, in glaubensmutigem Vertrauen auf die göttliche Macht, auch durch Wenige siegen zu können, griff mit seinem Waffenträger allein den Vorposten der Philister, der grimmigsten Feinde seines Volkes, an, und sein Unternehmen führte zu einem wunderbaren Siege (1. Buch Samuel, K. 14). David, der blondlockige Jüngling, erbietet sich, den Kampf mit dem in schwerer Rüstung auftretenden Riesen Goliath, der die Schlachtreihen des lebendigen Gottes verhöhnt, aufzunehmen. Auf den Einwand des Königs Saul, dass er, ein Jüngling, nicht mit diesem Philister, einem Kriegsmanne von Jugend auf, kämpfen könne, konnte David darauf hinweisen, dass er als Hirt einmal einem Löwen und auch einem Bären ein Schaf aus