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Jüdische Turnzeitung · 1902-04-01 · 4 (4.1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
4 (4.1902)
Date
1902-04-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Jüdische Turnzeitung. No. 4. April 1902. III. Jahrg. Turnerisches in der heiligen Schrift. Von Dr. A. Berliner. ■ jie Überschrift bedarf einiger einleitenden Worte, denen ich eine Anekdote aus dem Leben meines verewigten Freundes, des am 6. Februar 1900 heimgegangenen Rabbiners Elia Benamozegh in Livorno, zu Grunde legen möchte. Dieser begegnete eines Tages auf der Strasse einem jungen Manne, der oft durch seine masslosen Kritiken gegen die Autorität der heiligen Schrift sich bemerkbar machen wollte, der auch dieses Mal dem Lehrer respektlos entgegenrief: „Die Bibel ist voller Dummheiten". Der Meister antwortete ihm nicht; aber der Schreier fuhr in lautem Tone fort: Ich halte es nicht für möglich, dass ein so grosser Geist wie Sie alle die Dummheiten der Lehre glauben könnte. Jetzt antwortete ihm Benamozegh ohne weiteres: Und wer stellt in Abrede, dass solche daseien? Daraus aber ist eben die Vollkommenheit der Lehre zu erkennen. Denn der Gelehrte findet in ihr die Weisheit, der Philosoph die Philosophie, der Geschichtsforscher die Geschichte, der Poet die Poesie und so auch Andere. Nun müsste es auch gerecht sein, dass auch der Dumme, wie du, nicht leer ausgehe! Für dich sind, wie ich sehe, eben darin die Dummheiten. , Abstrahieren wir von der zuletzt gegebenen Anwendung, zu der die Gelegenheit Veranlassung geboten hat, so bleibt es uns doch immerhin wahr, was die Alten bereits betont haben, dass die heilige Schrift ein Volksbuch ist, in dem ein Jeder sein eigenes Leben mit den verschiedensten Verhältnissen desselben erblicken könne. Dadurch verliert die heilige Schrift nicht im geringsten an Ansehen und Würde. Auch der jüdische Turner wird Beiträge aus der Bibel für seine speziellen Zwecke gewinnen, die ihn am Ende immer mehr zum fleissigen Studium derselben anregen und 2u dem Hochziele führen könnten, dieselbe mit ihren Vorschriften und Lehren zur festen Grundlage für sein religiös-moralisches Leben lieb zu gewinnen uftd als unveräusserliches Gut zu betrachten. — Schon beim Eingang lernen wir den hohen Wert der Arbeit kennen, die eine Entwickelung der physischen Kräfte mitbedingt. 4

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