Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 3 (3.1902)
- Date
- 1902-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3. 51, Emigrationspass — selbst die Auswanderungserlaubnis lässt sieh die rumänische Regierung noch mit 20 Frcs. bezahlen — etwa 45 Millionen; da aber die Einwanderung successive stattfinden würde, viele Jahre hindurch, und unterdessen auch die Rückzahlungen der Vorschüsse seitens der älteren Kolonien erfolgen,, so wäre schon der vierte Teil der angeführten Summe für den Zweck genügend, um innerhalb 20 — 30 Jahren die Emigration zum Abschluss zu bringen. Wenn man bedenkt, wie viele Millionen die argentinische Kolonisation dem Baron Hirsch gekostet hat, ferner welche riesige Kapitalien Baron Edmund von Rothschild in die palästinensischen Kolonien hineingesteckt hat, so sollte man glauben, dass, wenn erst die Beweise des Gelingens sicher vorliegen, es nicht allzu schwer sein wird, die für die anatolische Kolonisation nötigen 12 Millionen, wenn auch nur ganz allmählich, aufzubringen. Wäre es nicht eine Ironie der Geschichte, wenn sich die nun schon durch 20 Jahre hinziehende rumänische Judenfrage, die selbst ein so geschickter Diplomat wie Bismarck vergeblich durch einen Machtspruch zu lösen versucht hat, wenn diese Frage in so leichter und für alle Teile so befriedigender Weise durch ein einmaliges grösseres Darlehen gelöst werden könnte? Und würde nicht die dann auch äusserlich hervortretende Thatsache, dass die Juden als Ackerbauer im Orient einen wirklichen Kulturfaktor darstellen, auch auf die russische Regierung wirken und ihr den Weg weisen, wie die russische Judenmisere auf einer für den Staat vorteilhaften Weise gelöst werden kann? Vielleicht würde Russland dann die Gesetze, welche die Ansiedlung der Juden als Landmann verhindern, aufheben, oder wenigstens gewisse Territorien ihnen zur Ansiedlung zuweisen; eine nativistische Strömung wie in Rumänien wird sich ja in einem Weltreich wie Russland, unter dessen Scepter sich so viele Rassen und Völker, Religionen und Sprachen zusammenfinden, nie entwickeln können, und den grosseh national- und socialpolitischen Grundzügen des russischen Regierungssystems würde sich die Schaffung einer jüdischen Agrarbevölkerung ohne Zwang einordnen lassen. Wären die Juden nicht als Kolonisatoren ins Auge zu fassen speciell für jene südlichen Distrikte Russlands, die jetzt durch die Auswanderung der Mohamedaner und zum Teil auch der Christen, letzteres die Folge eines langjährigen irrationell betriebenen Ackerbaues, entvölkern? Sie würden dort gleichsam ein