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Jüdische Turnzeitung · 1902-03-01 · 3 (3.1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
3 (3.1902)
Date
1902-03-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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No. 3. 50. Abgaben bezahlt, und dadurch das vorher brach und wertlos daliegende Land in ein besteuerbares Object umwandelt, was in den Augen des Sultans und der Regierung ein Faktor ersten Ranges ist. Die Juden Rumäniens selbst werden aber stets gern nach Anatolien auswandern, weil sie thatsächlich eine grosse Sehnsucht nach dem ihnen in ihrer Heimat versagten Landerwerb und Bürgerrecht haben, weil ihnen das anatolische Klima zusagt, weil sie sich dort frei fühlen wie jeder andere, als Mensch unter Menschen, weil sie sich mit den Türken gut verständigen können, wie schon in den bestehenden Kolonien ein beständiger freundschaftlicher Verkehr mit den Nachbarn stattfindet, und last not least, weil die Juden Anatolien doch als eine weitere Etappe ansehen auf dem mühsamen Wege der Heimkehr zum Lande der Väter. Was die europäischen Mächte betrifft, so würde eine solche Kolonisationsbewegung nach jeder Richtung hin von ihnen zu begrüssen sein. Vom religiös - christlichen Standpunkt aus, weil die Behandlung der Anhänger der Mutterreligion des Christentums in Osteuropa dem Geiste frommer Vertreter der christlichen Religion doch geradezu ein Ärgernis sein muss; den Diplomaten, weil es eine Schmach ist, zusehen zu müssen, wie die Bestimmung des Kongresses von einem kaum von der Kultur überfirnisten Duodezvolk in so herausfordernder Weise verletzt wird. Dass auch die Zahl der möglichen jüdischen Einwandeier eine nicht gar so geringe ist, geht aus der einfachen Thatsache hervor, dass es allein in Rumänien nicht weniger als iooooo unterstützungsbedürftige Juden giebt. Ich will annehmen, dass die übrigen 150000 vorziehen werden, entweder in Rumänjen zu bleiben oder in die weite Welt zu wandern, nach Australien, Argentinien, Canada, Nordamerika, Cap, wo sich jetzt überall schon kleine rumänische Kolonien befanden, die in einigen Jahren ihre Verwandten nachziehen werden. Ich will dies annehmen, obgleich es mir nicht wahrscheinlich scheint; es würden dann aber immer noch iooooo Seelen nachbleiben, entsprechend 20000 Familien, die zur Begründung von 500 Dörfern genügen würden; sie würden jährlich mindestens 200000 ha mit Weizen und Gerste bestellen und in normalen Jahren wohl ca. 200000 Tonnen Getreide ernten, in guten Jahren sogar diese Menge exportieren können. Auch die financielle Seite ist kein Hindernis; 20000 Familien würden zwar eine Summe von 40 Millionen Mark zur Ansiedlung erfordern, oder mit Administrationsspesen, Transportkosten und

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