Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 3 (3.1902)
- Date
- 1902-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3. 49. Anatolien auch vorläufig nur um einen kleinen noch nicht abgeschlossenen Versuch, so ist es doch klar, dass, im Fall der Versuch glückt, woran kaum noch zu zweifeln ist, eine grosse Entwicklungsmöglichkeit gegeben ist. Der Sultan und die türkische Regierung werden, wie es auch natürlich ist, und von massgebenden Stellen wiederholt ausgesprochen wurde, diese Einwanderung begünstigen, falls dieselbe sich in gemässigtem Tempo und in geordneter Weise unler der Leitung und Garantie geldkräftiger Komitees vollzieht. Moderne Begriffe, wie Rassenhass, sind in der Türkei unbekannt, der religiöse Fanatismus gelangt nur noch äusserst selten und local zum Ausbruch, auch mehr in dem fanatischeren Süden als in Kleinasien, entsprangen doch auch die armenischen Massacres weder dem Rassennoch dem religiösen Fanatismus, Fig. 8. Schönst» Kolonlitennans In Caraja. sondern fast ausschliesslich politischen und ökonomischen Ursachen. Der Jude wird in Anatolien nie als Wucherer ein ökonomisches Übergewicht erlangen können, weil er die Armenier und (»riechen darin als überlegene Mitbewerber vorfindet; selbst in der Hucharei wird er durch den Armenier verdrängt. Aus dem gleichen Grunde wird der Jude im grossen ganzen in Anatolien beim Ackerbau bleiben, sobald er sich einmal in denselben eingewöhnt hat, da er in den Städten, wie es schon die alteingesessenen spaniolischen Juden in der Türkei und Anatolien zeigen, sich im allgemeinen auf die weniger lohnenden Gewerbe zurückgedrängt sieht. Dazu kommt noch, dass der rumänische Jude auch in Anatolien ebenso wie der Spaniole ein guter, nie revoltierender türkischer Staatsbürger sein wird, der prompt seine Zehnten und