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Jüdische Turnzeitung · 1902-03-01 · 3 (3.1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
3 (3.1902)
Date
1902-03-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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No 3. 48. ernte im ersten Jahre. Man muss bedenken, dass die Leute 1V2 Jahre ernährt werden müssen, denn wenn sie erst im Herbst kommen, so ist bis zu ihrer provisorischen Einrichtung die beste Zeit zur Bestellung des Ackers verstrichen. Glücklicherweise ist das Leben in Anatolien billig, 1 Piaster (16 Pfg.) pro Tag, am Sabbath und Festtagen 2 Piaster, genügen, so dass die Person im Jahre incl. Kleidungsgeld auf etwa 100Mk. zustehen kommt, was aber immerhin bei einer Familie von nur 5 Köpfen 750 Mk. für 1V2 Jahre ausmacht. Dazu kommen 2 Ochsen (je 100 Mk., Balkanrasse, die ursprüngliche anatolische Rasse ist viel billiger, aber fast wertlos), eine Kuh (50 Mk.), ein Wagen (80 Mk.), Pflug und Egge (je6oMk.), Saatgut für 10 ha (300 Mk.), provisorische Hütte und Stall (100 Mk.), Schafe und Ziegen (200 Mk.), Arzt, Medicin, Reisespesen, Reserven (300 Mk.). Da die definitiven Bauernhäuser mit Stall 3—400 Mk. kosten, so muss man, wenn diese schon im ersten Jahr gebaut werden sollen, was vielleicht praktischer ist, den Ankauf von Schafen und Ziegen zurückstellen. Man sieht, grosse Sprünge kann man mit 2000 Mk. nicht machen, aber die Beweise liegen vor, dass die Sache geht, und „the proof of the pudding is in the eating." Natürlich ist die Voraussetzung bei dieser Berechnung die, dass das Land nichts kostet. Da aber der Regierung und dem Sultan noch so viele unbevölkerte Ländereien in Anatolien zur Verfügung stehen, denn die autochtone Bevölkerung Kleinasiens nimmt durch Aushebung, Kindersterblichkeit in Folge Malaria und gänzlichem Mangel ärztlicher Hilfe, sowie durch Zurückgehen der Eheschliessungen wegen Furcht vor der Aushebung zusehends ab, da ferner auch die Privatgüter fast ohne Arbeiter sind, gewöhnlich brach liegen und von den meisten Besitzern gern gegen einen Zehnten der Ernte auf lange Contracte hin verpachtet werden, so wird man fürs erste nicht genötigt sein, Ländereien erwerben zu müssen, was in der Türkei bei dem Mangel ordentlicher Grundbücher stets ziemlich riskant ist. Die Hauptschwicrigkeit bei der Ansiedlung nicht nur auf Regierungs- und Kronland, sondern häufig auch auf privatem Pachtland, ist die, dass die Einwanderer türkische Unterthanen werden müssen; aber die armen rumänischen Juden werden sich nicht einen Moment besinnen, sich eintragen zu lassen, erlangen sie dadurch doch das ihnen in ihrer Heimat verweigerte Bürgerrecht. Handelt es sich bei den besprochenen jüdischen Kolonien in

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