Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 3 (3.1902)
- Date
- 1902-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3. 47. sehen. Wenn n Familien in Dabkis im verflossenen Jahre, trotzdem wenig erwachsene Kinder dabei waren und es im vorigen Winter noch an vielerlei fehlte und auch der Hausbau viel Zeit erforderte, 136 Hectar Neuland bestellt haben, also 12 Hectar pro Familie, so ist es gewiss keine schlechte Leistung für Leute, die den Ackerbau erst lernen mussten, und ebenso erfreulich ist es, dass die Mehrheit dieser Familien in diesem Jahre nur noch sehr wenig neue Vorschüsse braucht, ja einige sogar etwas zurückzuzahlen in der Lage sind. Die Hoffnung ist begründet, dass im nächsten Jahre auch die beiden anderen Kolonien schon soweit sein werden; Sazelar (oder Warburgkeui, wie die Bewohner jetzt das Dorf benannt haben, Sazelar ist das benachbarte Türkendorf), würde selbst in diesem Jahre nur noch sehr wenig Vorschüsse erfordern, wäre nicht seine Einwohnerschaft durch Zuzug um mehr als das Doppelte gestiegen, und müssten die Kolonisten nicht jetzt endlich definitive Häuser erhalten an Stelle ihrer provisorischen Hütten. Caraja (oder Sichre Warburg, wie die Leute es jetzt nennen), wird freilich noch manche Vorschüsse erfordern, denn die vom Überschwemmungsgebiet des Pursak herüberstreichenden Fieberwinde müssen erst durch Waldanpflanzungen abgewehrt werden, und die in jenem Gebiet häufigen Missernten müssen durch einen vergrösserten Viehstand, namentlich Angoraziegen und Fettschwanzschafe, einigermassen ausgeglichen werden; man war ja aber leider durch die Erfolglosigkeit der Petitionen an den Sultan gezwungen, diesen ungünstig gewählten Platz beizubehalten; bei neu zu gründenden Kolonien würde man natürlich vorsichtiger sein. Offenbar blicken die Kolonisten auch schon mit Hoffnung in die Zukunft, und schreiben in diesem Sinne in die Heimat. Denn schon jetzt werde ich mit Anfragen und Petitionen aus Rumänien überschüttet, und zwar von Leuten, die sich gleichfalls als Bauern in Anatolien ansiedeln wollen. Glücklicherweise erschwert die türkische Regierung die spontane Einwanderung aus Rumänien, denn sonst würden wohl bald wieder ähnliche Zustände eintreten wie im vorigen Jahre. Die Kosten der Ansiedlung einer Kolonistenfamilie betragen, abgesehen von Transport- und Administrationskosten, im Durchschnitt etwa 2000 Mk. Man könnte zwar mit 1600 Mk. auskommen, aber dann kann man keine Schafe und Ziegen, oder keine definitiven Häuser anschaffen, und andererseits fehlt ein Reservefond fftr den in Anatolien stets zu berücksichtigenden Fall einer Miss-