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Jüdische Turnzeitung · 1902-03-01 · 3 (3.1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
3 (3.1902)
Date
1902-03-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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No. 3. 46. Vielleicht wird mancher Leser erstaunt fragen, ja, eignen sich denn diese Leute zu Ackerbauern; man hört doch meist, dass die Juden zu allen Berufsarten passen, nur nicht zu Ackerbau. Es ist hiermit wie mit so vielen anderen Dogmen. Einer spricht es gedankenlos dem andern nach. Schon im Anfang vorigen Jahrhunderts wurden von der russischen Regierung jüdische Ackerbaukolonien begründet und die freiwillige Bildung solcher unterstützt. Nach einer mir vorliegenden Statistik gabes im Jahre 1896 nicht weniger als 265 solcher Kolonien mit 96930 Personen in Russland in 13 verschiedenen Gouvernements, ausserdem wurdert noch 10038 Tabak-Landarbeiter, 5276 Gärtner etc. und 1800 Feldarbeiter gezählt, zusammen also 114044 in der Landwirtschaft beschäftigte Juden allein in Russland. Der Erfolg war natürlich je nach den örtlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen verschieden, dort aber, wo die Dörfer Land genug hatten, war es günstig, und zwar konnte selbst eine russische Regierungskommission diesen Kolonien ihr Lob nicht vorenthalten. Dazu kommen noch die Tausende von selbstständigen Bauern in den von Baron Hirsch gegründeten Kolonien in Argentinien, ferner ca. 5000 Bauern und Feldarbeiter in Palästina, die neu gegründeten jüdischen Dörfer in Kanada, in den Vereinigten Staaten und in Cypern. Obgleich diese Kolonien meist noch jung sind, kann man doch wenigstens von den amerikanischen Kolonien behaupten, dass sie meist schon nach wenigen Jahren zur Selbständigkeit, vielfach auch zu wirklicher Blüte gelangen, wie z. B. die Schilderung der Kolonien in Argentinien durch den landwirtschaftlichen Sachverständigen der deutschen Regierung Dr. Kaerger zur Genüge beweist. Dass in Gegenden, wo die Städte in schnellem Aufblühen begriffen sind, wie in Argentinien und den Vereinigten Staaten, vielfach die jüdischen Bauern der Verlockung, in den Städten schneller zu etwas zu kommen, nicht widerstehen können, ist ebensowenig ein Gegenbeweis gegen ihre Befähigung zum Ackerbau, wie die Landflucht der Deutschen in Ostelbien. Meine beiden landwirtschaftlichen Verwalter in Anatolien äussern sich gleichfalls recht lobend über den Fleiss der Leute, wenigstens soweit es sich um individuelle Arbeit bandelt, denn für Communearbeit fehlt ihnen fürs erste noch die nöthige Disciplin. Auch die Frauen und Kinder helfen übrigens nach Kräften und namentlich sind sie unermüdlich beim Hausbau, Ziegelmachen etc., aber auch auf dem Felde habe ich sie eifrig graben und hacken

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