Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 2 (2.1902)
- Date
- 1902-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2. 33. der Mitte der beiden Extreme — Wetturnen um jeden Preis und Ablehnung um jeden Preis — zu liegen. Machen wir zunächst einen Unterschied zwischen Einzelwettturnen und Riegenwettturnen. Es ist das Bestreben jedes Turnvereins und muss es sein, sein Niveau in turnerischer Beziehung stets und ständig zu erhöhen. Es wird immer eine gewisse Anzahl Mitglieder ein höheres Niveau schon erreicht haben und sich bestreben, ein noch höheres einzunehmen. Das ist natürlich und so selbstverständlich, dass es thöricht w8re, wenn ein Turnwart hier kommandieren wollte: Halt! Ich verbiete jede weitere Ausbildung. Dies musste nach Herrn Scholems Auffassung unbedingt geschehen, denn der Drang sich zu bethatigen und die erreichte Fertigkeit an einander zu messen, ist bei unserem Jugendturnen so stark, dass dem nur durch gewaltsames Nein Einhalt gethan werden könnte und daher die am weitesten ausgebildeten Mitglieder in ihrem Fortschritt gehemmt werden müssten. Zum eigenen Schaden und zum Schaden des Ganzen. Dem ist nun allerdings noch nicht so, sondern es setzt hier der Wettkampf ein. Das ist natürlich und immer so gewesen, dass es sonderbar wäre, diese ganze Sache, deren Nützlichkeit erprobt ist, plötzlich auf den Kopf zu stellen, Und sind unsere Wettturner nicht die zugleich körperlich am besten ausgebildeten? Das ist natürlich kein Zufall, denn gerade das Wettturnen einzelner stellt an die körperliche Gewandtheit und schnelle geistige Auffassung der Pflichtübung, die psychologische Seite, bedeutende Anforderungen. Weit entfernt davon, ein Anstaunen akrobatischer Künste zu bilden, denn Herr Scholem hat wohl übersehen, dass Wetlturn-Uebungen nicht immer Gipfel-Uebungen sind, da ja auch die Ausführung und nicht nur die Schwierigkeit gewertet wird, werden derartige Vorführungen stets ein hohes Interesse für den Fachmann besitzen, dem stets auf solche Weise neue Anregungen geboten werden. Für den Einzelturner sind die Vorteile nicht minder gross; 1) er gewinnt einen Ueberbllck über das von anderer Seite erreichte und gewinnt dadurch einen Ansporn zur Nacheiferung, der durchaus zu plegen ist, 2) er sieht, aus dem engen Rahmen eines Vereins herausgetreten, viel mehr als sonst, was und wo es ihm fehlt an der Ausbildung, 3) er gewinnt für sich und die Turnsache neue Anregung durch die Vorführung von Uebungen, die aus dem Turnen seines Vereins herausfallen. — Die Anregungen, die ich auf oder durch Wettturnen empfangen habe, sind mir oder meinem Verein, glaube ich, noch nie schädlich gewesen und nie habe ich den Eindruck gehabt, dass durch derartige Vorführung „um des äusseren Scheines willen", „der Bestie im Menschen" ein Zugeständnis gemacht wird. Im Gegenteil, es war mir stets eine hohe Freude, zu sehen, mit welcher selbstlosen Begeisterung da um der Sache willen und der Anerkennung älterer Männer, competenter Richter gerungen wurde. — Gerungen, nicht um den Schimmer eines materiellen Vorteils, sondern um ein materiell gar nicht in Frage kommendes Diplom. Es drängt sich hier der Vergleich mit den olympischen Spielen so auf, dass es schwer ist, ihm auszuweichen. Ich kenne keinen idealeren Kampf. Jawohl Kampf •st Kampf, doch es ist ein grosser Unterschied, warum gekämpft ist. Es ist ein ander Ding, wenn ein Rennfahrer sich um eine bestimmte Summe in bewusster Schädigung seines gesamten Organismus 6 Stunden lang auf