Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 2 (2.1902)
- Date
- 1902-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2. 32. Wenn wir nunmehr die Übunsgattungen der alten Griechen betrachten, so müssen wir uns über ihre Einfachheit wundern. In ihrer Gymnastik befolgten sie das Wort: „non multa, sed multum" — Nicht viele Übungen, aber "das Wenige gründlich. Darum waren die Leistungen, zu denen sie es in den verschiedenen Arten der Gymnastik brachten, auch so hervorragende. Der Hauptunterschied zwischen der antiken und der modernen Gymnastik beruht darauf, dass bei jener die Geräte (abgesehen von einigen Handgeräten, wie Diskus, Speer) fehlten und der Boden die einzige Stützfläche bot. Laufen, Springen, Ringen, Diskus- und Speerwerfen — diese 5 Übungen bildeten den Fünfkampf, — der Allkampf, eine Verbindung von Ringen und raustkampf, Tanz, Schwimmen und Ballspiel waren die Übungen, die man von früher Jugend bis zum Mannesalter pflegte. Auch die weiblicheGymnastik wurde, bei den Spartanern wenigstens, nicht vernachlässigt. Lykurg dachte bereits daran, dass von der Kraft und Gesundheit der Mütter die Kraft und Gesundheit des Volkes wesentlich abhhänge. Ja, er führte sogar Wettkämpfe für die Mädchen ein, um das Interesse für die Leibesübungen zu heben. ■ Halten wir unsere moderne Gymnastik dagegen, so finden wir in den Grundformen eine Verwandtschaft mit der antiken. Für den Diskuswurf, der jetzt wieder zu Ehren kommt, haben wir das Steinstossen und das Schleuderballwerfen, für den Speerwurf den Gerwurf. Doch verschwinden diese Übungen sehr zu Unrecht hinter den Gerätübungen. Allerdings£ werden jetzt die „volkstümlichen Übungen" wieder mehr geübt und als Teil der Wettübungen aufgenommen (seit 1896). Die Würdigung des Wertes dieser Übungen lässt sich auch daraus ermessen, dass eine vollkommen gelungene Gerätübung mit 5, eine volkstümliche Übung mit 10 Punkten gewertet wird. Und nun noch ein Wort über den Sport! Die antike Gymnastik ging an der handwerksmässigen Athletik zu Grunde. Der äusserlich wirkende, einseitige Sport Ist derselben Gefahr ausgesetzt. Wir haben gesehen, wie man sich dem ideale der griechischen Gymnastik wieder nähert: die Übungen des unbekleideten Körpers in Luft und Sonne, die mächtig emporstrebende Spielbewegung, das Aufblühen der weiblichen Gymnastik, die solange mit Vorurteilen hatte kämpfen müssen, die Würdigung der volkstümlichen Übungen sind Anzeichen dafür. Nehmen wir das Gute, wo wir es finden. Es handelt sich um die Jugend, um das Volk. Die Wege, die wir zu gehen haben, sind uns gewiesen. „Nicht wurzeln, wo wir stehen, nein, weiterschreiten!" Psychologische Betrachtungen Aber das Wetttnrnen. Eine Entgegnung von Georg Otto, Turn wart im Turnverein der Bankbeamten. In dem letzten Heft der vorliegenden Zeitschrift findet sich des Herrn Theobald Scholem „Psychologische Betrachtungen über das Wettturnen", die in ihrer schroffen Ablehnung jedes Wettturnens die Zustimmung wohl nur eines Teiles der Leser gefunden hat. Und mit Recht. Denn der Artikel schiesst weit Uber das Ziel hinaus und die Wahrheit scheint wie so oft, in