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Jüdische Turnzeitung · 1902-02-01 · 2 (2.1902) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
2 (2.1902)
Date
1902-02-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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No. 2 30. Femer gehörten zu einem Gymnasium Räume für kalte und warme Bader, die Salbölkammer, in der der Körper geölt wurde, das Bestaubgemach, in dem der geölte Körper mit Staub bestreut wurde, um ihn griffiger zu machen, und andere Anbauten. Die Leitung der Übungen lag in den Händen des Padotriben, der auf Disciplin zu achten hatte und als der eigentliche Knabenturnlehrer die einfachsten Bewegungsformen einüben musste, und des Gymnasten, der zur agonistischen Laufbahn vorbereitete und sich vor jenen durch medicinische Kenntnisse auszeichnete. Zu ihnen kamen noch die Sophronisten, die die Aufsicht über das sittliche Verhalten der Jugend hatten,.die Kosmeten (Ordner) und der Gymnasiarch, dem als Ehrenamt die Oberaufsicht Uber die Gymnasien oblag. In diesen Räumen wurde der Körper nackt geübt. Und darin liegt ein wesentlicher Unterschied zwischen der antiken und modernen Gymnastik. Der Zwang, sich bei den Übungen der Kleidung zu entledigen, war für den Jüngling sicherlich ein Ansporn zu regem Wetteifer im Betriebe der Gymnastik, um schöne Körperformen zu erlangen. „Sie werden für ihre Wohlgestalt Sorge tragen, dass sie sich nicht schämen, nackt zu erscheinen, und ein jeder sich zum Sehenswürdigsten mache", sagt Lucian. Der Anblick solcher jugendlicher Kraftgestalten wirkte belebend auf das ästhetische Gefühl, die beste Schutzmauer gegen die Rohheit. Kein Wunder, dass der Anblick eines durch planmässig betriebene Gymnastik zum höchsten Grade körperlicher Vollkommenheit gelangten Menschen künstlerische Naturen zu Schöpfungen begeisterte, auf denen das Auge des kunstverständigen Beschauers mit Entzücken und Andacht ruht. Es sind Hymnen auf die menschliche Körperschönheit. Die ernsten und strengen Römer nahmen bereits an der Nacktheit bei den gymnastischen Übungen Anstoss, wie sie der griechischen Gymnastik Uberhaupt abgeneigt waren, die bereits entartet war, als sie zu ihnen kam. Und wir? Wir sind durch die Verhältnisse leider gezwungen, die Poesie des Menschenleibes beim Turnen zu verhüllen. Doch wenn die Turnkleidung die Körperformen noch so gut erkennen lässt, wenn wir auch auf die Ästhetik turnerischer Übungen bei ihrer Beurtheilung Gewicht legen, und wenn schliesslich auch unser Schönheitssinn auf den Turnstätten Nahrung und Befriedigung erhält, so reicht all' dieses nicht an den prachtvollen Anblick heran, den ein schön gebauter Körper in der Anstrengung gewährt, wenn sich z. B. bei einem Weitsprung im Augenblick des Absprunges jede Faser zusammenzieht, jeder Muskel herausgearbeitet erscheint, der ganze Körper sich in höchster Anspannung befindet. In neuester Zelt sind Männer zusammengetreten, die voll Verständnis für den Nutzen von Übungen des unbekleideten Körpers In Luft und Sonne, vor den Thoren Berlins ihrem Ideale eine Stätte geschaffen haben. Und wer einmal dort draussen lichtumflutet und sonnendurchwärmt seinen Körper gestählt und die kraftvollen Gestalten bewundert hat, dem wird ein Dämmern von der Pracht althellenischer Gymnastik aufgehen. Wenn man dort die prächtigen Gestalten sieht, so glaubt man, es sei Leben in altgriechische Statuen gekommen, die von ihrem Piedestal In den staubigen Museen herabgestiegen sind und sich dorthin begeben haben, wo sie Licht und Leben

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