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Jüdische Turnzeitung · 1902-02-01 · 2 (2.1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
2 (2.1902)
Date
1902-02-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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No. 2. 28. Saatgetreide hatten die wenigsten Kolonisten, andere hatten keine Pflüge und keine Eggen, das von der Kolonie als ganzes angekaufte Vieh war ganz ungleichmässig verteilt, die Dorfregierung, der Mukthar (der staatlich anerkannte Dorfschulze) und das sog. Komitee waren in Parteiungen zerfallen und ohne Einfluss, und die misera plebs traute dem Komitee überhaupt nicht, zumal da jetzt das Vieh successive verkauft werden musste, um Nahrungsmittel dafür anzuschaffen, wobei Durchstechereien leicht möglich waren; kurz es war ein ganz trostloser Zustand. Aber trotzdem waren die meisten nicht ohne Hoffnung, freilich wohl nur, weil sie vermuteten, dass ich ein Emissär der europäischen Wohlthätigkeitsvereine sei, abgesandt, um ihre Lage zu untersuchen und ihnen zu helfen. Sie schilderten mir daher auch das Land als ein Paradies, trotzdem sie merken mussten, dass ich, von den Bahnbeamten instruiert, genau wusste, dass die Gegend im Sommer ein berüchtigter Fieberherd sei. Da mir viele der Leute einen ganz guten Eindruck machten, auch ihre Leistungen in Bezug auf Ackerung für Anfänger nicht so schlecht waren, so beschloss ich, das meinige für die armen Teufel zu thun. Da ich selbst keine Zeit mehr hatte, Hess ich meinen Reisegefährten mit etwas Geld zurück, um auch die andern Kolonien zu besuchen, und ihnen wenigstens Saat und die allernotwendigsten Geräte und Materialien zu verschaffen. In die Heimat zurückgekehrt, versuchte ich dann, Wohlthätigkeitsgesellschaften für die Kolonien zu interessieren, was auch insofern von Erfolg gekrönt wurde, als ein in orientalischer Landwirtschaft bewanderter Fachmann auf Kosten der Jewish Colonisation Association dorthin gesandt wurde. Derselbe blieb den Sommer über da, berichtete zuerst in ganz zufriedenstellender Weise, als aber dann die Fieberzeit herankam und unter den schlecht genährten und unter mangelhaften Schutzdächern wohnenden Leuten eine grosse Anzahl Opfer forderte, verzagte er an der Zukunft sämtlicher Kolonien bis auf Kefkend. Er erhielt hierauf den Befehl, die Kolonien aufzulösen und die Leute nach Rumänien zurückzusenden; das ging aber nur bei denjenigen, die sich nicht oder noch nicht als Muhadjirs hatten einschreiben lassen, und da die Leute sich grossenteils sehr an die Scholle attachiert hatten, so suchten viele noch in jener Zeit die Einschreibung zu erlangen, nur damit sie nicht fortgesandt werden könnten. Die Muhadjirs sind nämlich gesetzlich gezwungen, mindestens ein Jahr an Ort und Stelle zu

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