Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 2 (2.1902)
- Date
- 1902-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2. 27. Leute ihre geringen Baarmittel, meist sogar schon auf der Reise, verzehrt hatten, sassen sie nun ohne Obdach, ohne Ackergerät, ohne Vieh und ohne Brot auf ihrer so schön erträumten eigenen Scholle; sie behaupteten zwar, sie wollten das Land mit ihren Nägeln bearbeiten und mit ihren Thränen bewässern, aber sie vergassen, dass die Thränen salzig sind, und dass sie längst verhungert sein würden, bis ihre Nägel die richtige Länge erreicht haben würden, um als Pflugschar dienen zu können. Das ist ungefähr die Situation, die ich vorfand, als ich am Schluss einer Frühlingsreise in den Orient in Konstantinopel eintraf. Auf die traurige Situation der neuen Kolonien aufmerksam gemacht, beschloss ich, wenigstens eine der Kolonien selbst zu besuchen, sowie in Eskischehir Erkundigungen einzuziehen. In Caraja bei Beylik-Ahur fand ich nun die Kolonie in der denkbar traurigsten Lage; viele der Kolonisten trieben sich, nach Verdienst herumlungernd, auf den Strassen von Eskischehir herum; die Leute; die in Caraja selbst waren, immerhin noch ca. 117 Familien, sahen abgemagert und vergrämt aüs, sie wohnten meist in Erdlöchern Fig. 1. Unlertlfe Orubtohillle der Kolonliten von Cara|a. unter Dächern aus Schilf, Matten oder Lumpen der allerprimitivsten Art. Die wenigen, die Vieh und Wagen besassen, hatten sich freilich Holz vom Walde geholt, und bauten nur halb in die Erde gegrabene, mit Schilf bedeckte Hütten, aber es hatte die Nacht vorher fortwährend geregnet, so dass in den noch unvollendeten Hütten kein trockener Fleck vorhanden war, und manche mehr kleinen überdeckten Teichen ähnelten als menschlichen Behausungen.