Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 2 (2.1902)
- Date
- 1902-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4921092-5965007-5965166--0356-4921425- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 2. 26. erhielt Regierungsland an einer ausgesucht guten Stelle, in der Gegend des alten Gordion, der Hauptstadt Phrygiens, am Einfluss der Pursak in den Sakaria direkt an der Eisenbahn, halbwegs zwischen Eskischehir und Angora; hier siedelten sich etwa 50 Familien mit 225. Seelen an, während weiter 50 Familien erwartet wurden. Andere Gruppen zogen die Pachtung von Privatländern vor, z. B. versuchten sich 35 Familien in Tschelikli weiter nach Angora zu an der Bahn anzusiedeln, dort sollten auch die benachbarten Güter den Kolonisten zur Verfügung gestellt werden mit Raum für 500 Familien. Wieder eine andere Gruppe siedelte sich iV2 Stunden von Angora auf einem Gut der in Cairo lebenden Wittwe des früheren Valis von Angora an, und zwar waren es etwa 45 Familien mit 183 Seelen, die sich dorthin wandten; diese Gruppe umfasst auch einige gebildete Leute, Fabrikanten, Techniker etc., weitere 40 — 60 Familien sollten nachkommen. Eine andere grosse Gruppe von 100 etwas wohlhabenderen Leuten mit angeblich (?) einem Vermögen von 1500—50 000 frcs. per Familie hatte gleichfalls Emissäre geschickt, um wegen Überlassung von Ländereien für eine „Musterkolonie" mit der türkischen Regierung zu verhandeln. Die Bewegung griff nach Bulgarien hinüber, und auch in Sofia hatte sich ein Komitee gebildet und Terrain bei Kefkend am schwarzen Meer erhalten, wo sich 50 Familien mit ca. 250 Seelen ansiedelten. So befanden sich im April und Mai des Jahres 1900 etwa 300 Kolonistenfamilien in Anatolien, und hätten sich ihre Wünsche auch nur im entferntesten erfüllt, so wäre die Zahl bald bis auf 1000 Familien und mehr angewachsen.? Die Sache kam aber anders. Als die türkische Regierung sah, dass es sich um lauter unterstützungsbedürftige Leute handelte, deren Kenntnis im Ackerbau gering und deren Ansprüche an den ohnehin nicht gerade gefüllten Geldsäckel der Regierung gross waren, als fortwährend neue subsistenzlose Auswanderermassen nach Konstantinopel kamen und kein Ende abzusehen war, verbot sie den türkischen Konsuln in Rumänien, die Pässe der jüdischen Emigranten zu visieren, und lehnte Unterhandlungen in Bezug auf Überlassung von Terrains fernerhin ab; auch Vorschüsse wurden nicht weiter bewilligt. Wie recht die türkische Regierung bandelte, erkennt man an den nun folgenden Ereignissen. Schon nach ganz kurzer Zeit wurde das Elend der schon nach Anatolien übergesiedelten Kolonisten gross; nachdem die