Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 2 (2.1902)
- Date
- 1902-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2. •24. Sachverständigen, der Rumänien bereiste und überall Lokalkomitees begründete, waren etwa 100 ooo Personen hilfsbedürftig, und wenn auch die hierfür zusammengebrachten Summen wohl eine Million Mark überstiegen, so kann man sich doch denken, dass die Gelder nicht im entferntesten genügten, um dem Elend wirklich Einhalt zu thun; überhaupt wird und kann dies niemals gelingen, so lange die inneren Ursachen weiter bestehen. Es bleibt demnach auch die Auswanderungstendenz unter den rumänischen Juden bestehen, und die Hauptaufgabe der Wohlthätigkeitsvereine wird dauernd die sein müssen, die acute und ungeregelte Emigrationsbewegung in eine chronische und gut geleitete umzuwandeln. Wie nach Cypern und Palästina, so wandte sich nun auch ein Auswandererstrom nach Anatolien. Es war ein Kaffeewirth aus Tuldscha, in der rumänischen Dobrudscha, namens Chaskel Schwarz, der als der Pfadfinder dieser Kolonisation zu bezeichnen ist. Er hatte als Dragoman eines Ingenieurs der anatolischen Eisenbahn Gelegenheit gehabt, das Land kennen zu lernen, und da er, wie fast alle älteren Bewohner der Dobrudscha, die ja bis 1878 eine türkische Provinz war, auch türkisch sprach, so kannte er auch die Sitten der Türken und die Methoden der Ansiedlung der mohamedanischen Muhadjirs. Da die Mohamedaner Rumäniens, die besonders in der Dobrudscha ehemals in Masse ansässig waren, gleichfalls, wenn auch nicht in dem Grade wie die Juden, von den rumänischen Beamten bedrückt wurden, hatte schon seit Jahren eine Auswanderungsbewegung unter ihnen Platz gegriffen, und als nun die Missernte des Jahres 1899 inre Not vergrösserte, nahm auch die Auswanderung derselben zu. Mit einer solchen Auswanderungsgruppe fuhren nun 21 Familien sowie 38 junge Leute jüdischen Stammes aus Tuldscha, zusammen 160 Leute unter Führung des oben genannten Chaskel Schwarz, nach Constantinopel, in der Hoffnung, gleichfalls auf Kosten des türkischen Muhadjirfonds angesiedelt zu werden. Die meisten waren so arm, dass sie nicht einmal die 6—7 Mark der Überfahrtskosten von der Donaumündung nach dem Bosporus erschwingen konnten, und von wohlhabenderen Landsleuten dabei unterstützt werden musstcn. In Konstantinopel wurde ihnen ihr Gesuch von der Muhadjirkommission bewilligt, und ausserdem erhielten sie, als sie sich zur grossen Verwunderung der türkischen Behörden als vollständig subsistenzlos erwiesen, in Folge eines Telegrammes an den Sultan aus seiner Privatschatulle einen Laib Brot per Kopf.