Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 2 (2.1902)
- Date
- 1902-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2. 23. Wie kommen nun solche Leute dazu, Ackerbaukolonien zu gründen, wie haben sie es angefangen, dies überhaupt durchzusetzen, und was sind die Erfolge? Es ist dies in der That ein nationalökonomisch und, wenn man will, auch politisch interessantes Problem, und da der Verf. durch Zufall mit dem Schicksal dieser unglücklichen Leute bekannt geworden' ist und sich redlich bemüht hat, das Schifflein dieser Kolonisation durch die schwere Brandung der- Hindernisse und des Elends in ein ruhigeres Fahrwasser hinüber zu steuern, so glaubt er auch berufen zu sein, hier den Gang der Kolonisation in wenigen Strichen zu skizzieren. Der innere Grund dieser Kolonisation ist, wie schon hervorgehoben, die immer härtere Formen annehmende Entrechtung der Juden in Rumänien, d. h. ihre politische, moralische, soziale und ökonomische Unterdrückung, deren schliessliches Resultat ein allgemeiner Auswanderungswunsch unter der rumänischen Judenheit ist. Die spezielle Veranlassung der plötzlich acut werdenden Emigrationsbewegung war die ökonomische Krise in Rumänien infolge der Missernte im Jahre 1899, welche durch Schwächung der Kaufkraft der Bevölkerung gerade die Ärmsten am meisten dem Elend preisgab. Bekannt ist, wie im Frühling 1900 geradezu ein Auswanderungstaumel die rumänischen Juden ergriff, wie sie in Scharen nach Cypern, nach Ägypten, nach Palästina zogen, wie sie in solchen Massen nach Wien kamen, dass sie von dort zwangsweise wieder zurückbefördert wurden, wie andere Gruppen nach Argentinien, nach den Vereinigten Staaten, nach dem Cap, einige auch nur bis London, Paris, Brüssel etc. gelangten. Tausende und Abertausende rüsteten sich zum Aufbruch, Schaaren von jungen Leuten zogen zu Fuss durch das Land, und die meisten wären sicher in Elend verkommen, wenn nicht eine schleunige Hilfsaktion hierzu gebildeter Komitees der westlichen Länder unter der Ägide der Alliance Israelite diese Bewegung zum Stillstand gebracht hätte; viele der Emigranten wurden weiter befördert, die Untauglichen zurückgebracht, in Rumänien selbst wurden Volksküchen errichtet, Wohnungszuschüsse wurden verteilt, den Handwerkern und Kaufleuten, die ihre Berufe schon aufgegeben hatten, wurden Vorschüsse zur abermaligen Etablierung gegeben, kurzum es wurde eine weitgehende Hilfsthätigkeit entfaltet, die infolge der halben Missernte des Jahres 1900 auch noch im folgenden Jahre fortgesetzt werden musste. Nach dem Urteil des 2*