Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 1 (1.1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 1. 18. vereine haben aus dieser Erwägung die Tschechen von der Konkurrenz bei ihren Veranstaltungen ausgeschlossen, und auch die deutschen Fussballvereinigungen und der sie alle umschliessende Bund haben daran festgehalten, dass der Grundsatz der Internationalität des Sports unter den dermaligen Verhältnissen auf die Tschechen nicht angewendet werden dürfe. Um so befremdender ist es, dass gerade von den Fussballvereinen der deutschen Reichshauptstadt, mit denen die deutschen Sportkreise Prags in enger Fühlung stehen, eine Bewegung ausgeht, die von einem unglaublichen Mangel an nationalem Ehrgefühle zeugt. ... An die deutsche Sportwelt aber muss der Appell gerichtet werden, zu verhindern, dass eine derartige Auffassung um sich greife. Es giebt nationale Verpflichtungen, die unter keinem Vorwande umgangen werden dürfen. Die Tschechen selbst geben uns dafür ein Beispiel, indem sie in allem und jedem den nationalen Gedanken in den Vordergrund stellen, und gerade ihnen gegenüber sollten die Deutschen den Grundsatz der Internationalität gelten lassen? Wenn wir dies nicht thun, so geschieht dies nicht aus Chauvinismus, sondern aus Selbstachtung und nationalem Ehrgefühl, und es giebt keinen Sport, der hieb, darüber hinwegsetzen könnte." Das sind gewiss massvolle und verständige Worte. Unseren Lesern aber wird insbesondere die Thatsache interessant erscheinen, dass in den Sitzungen des Berliner Verbandes, in welchen die Frage, ob man mit dem tschechischen Club spielen solle, auf der Tagesordnung stand, zwei Juden A. und -C. Perls in der mannhaftesten Weise für die deutsch-nationale Idee eingetreten sind und schliesslich auch ein Spielverbot erwirkt haben. So ist denn der „schwache Bau der deutschen Fussballeinigkeit"*), der schon ernstlich gefährdet erschien, vor seinem Zusammensturz bewahrt worden und die jüdischen Redakteure der „Bohemia", die treuen Hüter deutscher Reinheit, können erleichtert aufatmen. Vermischtes. Am 13. Januar hielt in Berlin in einer von der Deutschen Orlen tgeaellachaft veranstalteten Sitzung Prof. Friedrich Delitzsch einen Vortrag Uber „Babel und Bibel". Es hatte sich dazu eine zahlreiche Hörerschaft eingefunden. Einleitend gab Prof. Delitzsch, der seine Darlegung durch die Vorführung von Lichtbildern erläuterte, eine Schilderung von der Grösse und Bedeutung des babylonischen Reiches. Handel und Industrie blühten dort, Ackerbau wurde im grossen *) „Fussballeinigkeit* itt eins jener ledernen Worte, welche der deutsche Sport produziert hat. Die Red.