Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 1 (1.1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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No. I. 10. anderen Schultern zu einer künstlichen Höhe emporzusteigen. Sie trägt ihre Zukunft darin, dass sie Gemeingut von arm und reich geworden und dass sie schlicht und einfach schillernder Äusserlichkeiten entraten kann. Wie kommt es nun, dass der Turner, welcher am Tage den Lebenskampf gekämpft, zum Pfleger und Förderer des turnerischen Kampfes am Abende auf der Stätte seiner Erholung geworden ist? Der zuerst friedliche Wetteifer in der gleichmässigen Ausführung derselben Übung, wie bei Frei- und Ordnungsübungen, wird zum Kampfe bei den ungleichen Übungen an den Geräten, die grössere Geschicklichkeit und Körperkraft des einen tritt wider den anderen hervor und — Gegensätze in den Leistungen sind da! Anstatt diese Gegensätze in der Form von Mehrleistungen bestehen zu lassen, bringt die Kampfbegier des Menschen sie zum Gefechte gegeneinander und bringt so den Wettkampf in der Turnerei hervor. Die Vorteile des hierdurch bedingten Strebens nach immer schwereren Übungen sind für die grosse Masse der Turner sehr gering. Sie bestehen im Anstaunen akrobatischer Künste und im aufregenden Kitzel eines jeden Kampfes, dem der Wunsch oftmals entspringt, mitzuthun um des äusseren Scheines willen. Wer den Neid und die Missgunst vieler Wettturner untereinander, die ständige Klage über ungerechte Bewertung seitens der Kampfrichter und die oft auf lächerlichen Ansichten beruhende, ohne einheitliche Grundlage und Anweisung bestehende Art des „Punktierens" kennen gelernt hat, der wird sich dessen bewusst sein, dass der Wettkampf im Turnen dem sportlichen Wettkampf gleich steht. Kampf ist einmal Kampf, ob der Preis in einem Wertgegenstande oder einem einfachen Kranze besteht. Der Kampf um eine vermeintliche Ehre ist oft noch viel abstossender als der um Geld und Gut. Gerade gegen den hierbei fälschlich gebrauchten Ausdruck Ehre muss entschieden Stellung genommen werden. Man hört davon sprechen, dass ein Wettturner für die Ehre seines Vereins eingetreten sei, indem er an einem Wettturnen teilgenommen bat. Wenn die Verkündiger solcher Phrasen, die meist in tönenden Festreden bei sogenannten Siegerfeiern laut werden, sich richtig klar werden würden, welches Zeugnis sie damit ihren nicht wettturnenden Vereinsbrüdern ausstellen, so würden sie es jedenfalls vorziehen, derartige Begriffe nicht zum Besten zu geben. Der Oberturnwart eines Berliner Turngaues hat einmal bei