Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 1 (1.1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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JSo. l. 11. einer solchen Feier davon gesprochen, da^s man „durch Kampf zum Sieg" gelangen müsse. Bringt denn aller Wettkampf dem Turnen Sieg? Mehrt sich dadurch die Schaar seiner Anhänger? Trägt es dadurch zur Veredelung oder zur Verrohung der menschlichen Natur bei? Leistet es Kulturarbeit damit? Nein, das Wettturnen ist ein Zugeständnis an die Bestie im Menschen! Wie alle Dinge auf der Welt, die Kräfte entwickeln, mit einander kämpfen, so kämpfen auch die Kräfte in der Turnerei mit einander. So sagt man, und dieser Grund ist noch der stichhaltigste und einleuchtendste. Er entkleidet das Wettturnen allen glitzernden Scheines und nimmt ihm jeden idealen Hintergrund. Ist es doch dieselbe Erscheinung, ob ein Radfahrer im Radrennen seinen Gegner zu besiegen trachtet, oder ob ein Wettturner den anderen zu „drücken" versucht. Der Ehrgeiz ist bei Beiden der Gleiche, die Begier den anderen aus dem Felde zu schlagen, das Kampf¬ und Kriegsmässige ist ihnen ebenfalls gleich. Muss der Tunisaal, die Stätte der Erholung, Vorbereitungsort zu neuen Kämpfen sein? Kann sich der Turner nicht zu der höheren, edleren und humanen Auffassung emporschwingen, dass Wettkampf und Krieg vermieden werden kann, wenn keine Ursachen gegeben werden? Und noch eins! Der Standpunkt der Gesundheitspflege! Ist es der Gesundheit dienlich oder schädlich, dass sich die Wettturner den oft sehr grossen Strapazen der langen Reihenfolge von Wettübungen unterziehen! Wer Wettturnen in grossem.Stile, wie bei Turnfesten, beobachtet hat, wird unbefangen zugeben müssen, dass in dieser Beziehung schwer gesündigt wird. Ohne Anhänger der schwedischen Gymnastik zu sein, muss man sagen, dass die von den Schweden in's Feld geführten Gründe nach dieser Richtung bin, zutreffend sind. ,f, In vielen Turnverbänden löst fcln Wettturnen das andere ab. Dem Einzelkampfe folgt Riegen-, Vereinsetc. etc. - Wettturnen in ununterbrochener Folge. Die gleichmässige Fortführung des Turnbetriebes wird hierdurch besonders in kleinen Turnvereinen empfindlich gestört. Die nicht wettturnenden Mitglieder werden oft belästigt durch den steten Gebrauch der besten Geräte, die den Wettturnern vorbehalten sind und durch die Störung der Turnordnung, die sich umsomehr geltend macht, als viele Wettturner die Frei- und Ordnungsübungen gar nicht, oder höchst ungern mitmachen. Die Übungen, welche den grössten Wert, ja die Grundlage der Turnerei bilden, sind ihnen, und das ist bei der