Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 1 (1.1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4921092-5965007-5965161--0335-4921404- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 1. 9. Es wurde jüngst in einer jüdischen Zeitung, welche das ganze Projekt besprach, der Ausspruch gethan: „Welch ein unendlicher Weg von der Sesshaftmachung von 10 Eleven auf Gut Neuhof bis zur Schaffung eines jüdischen Bauernstandes in Deutschland!" Das ist freilich ein langer Weg. Aber der Schreiber jener Zeilen hat sicher das Wesen und Streben des Bodenkulturvereins nicht richtig verstanden, er scheint fast anzunehmen, dass der Verein als solcher vorhabe, wie die ersten sechs oder zehn auch alle späteren jüdischen Bauern selbst anzusiedeln. Das freilich wäre ein ebenso thörichtes wie nutzloses Bestreben. Der Verein will nur das Vorbild geben, will an praktischen Beispielen zeigen, wie vorteilhaft es für deutsche Juden ist, sich diesem Berufe zuzuwenden, will den Übergang dazu nach Kräften ermöglichen und erleichtern, aber die Bewegung selbst muss dann organisch wachsen. So ist es mit allen geschichtlichen Vorgängen gewesen und wird es immer sein, aus kleinen Anfängen entwickelt sich in immer schnellerem Tempo ein umfassendes Grosses. Das ist ja gerade, was der Verein will: Nicht Wohlthätigkeit üben einzelnen gegenüber, sondern weite Kreise aufregen zur eigenen wirtschaftlichen Hebung. Wer heute sich an diesem Werk beteiligt, es fördert, sei es materiell, sei es ideell, sei es in Wort, That oder Schrift, der schafft mit an der grossen Zukunft unseres Stammes, an seiner Gesundung, an seiner Freiheit. Psychologische Betrachtungen Aber das Wetttnrnen. Von Theobald Scbolem, Berlin. T3ei den tiefgehenden Gegensätzen zwischen Sport und Turnen ist es eigentlich schwer verständlich, dass der Wettkampf im sportlichen Sinne in der Turnerei fast ebenso lebhaft getrieben wird, wie in den zahlreichen Spielarten des Sports. Die Grundlage des Turnens liegt in der allgemeinen, körperlichen Ausbildung aller Menschen, die in den Turnvereinen, mit nur geringen Abweichungen in Einzelheiten, nach bestimmten Normen erfolgt. Nach des Tages Last und Mühen eilt jung und alt zur Turnstätte, um den müden Leib zu stärken und für den schweren Kampf des Lebens mit neuer Kraft zu versehen. Dies ist der grosse Beruf der Turnerei, der ihre gewaltige Bedeutung hervorgerufen, und der noch heute ihre Grösse ausmacht. Sie bedarf keiner wilden Reklame, wie der Sport und braucht nicht durch Protektion auf