Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 1 (1.1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 1. 8. wenn sie zum Teil auch heute noch nicht unsern Wünschen vollkommen entsprechend sind, doch die ausserordentliche Eignung des jüdischen Stammes zur Landwirtschaft darthun. Und so wird es ohne Zweifel auch mit den deutschen Juden der Fall sein. Freilich können wir uns keinen Augenblick verhehlen, welche unendlichen Schwierigkeiten diesem Werke entgegenstehen, wieviel leichter es ist, einen jungen Juden etwa dem Kaufmannsstande oder auch dem Handwerk zuzuführen; dies darf aber kein Hinderungsgrund sein, das einmal als richtig erkannte Werk durchzuführen; denn ist auch der Weg ein langer, wird auch mit mannigfachen Misserfolgen von vornherein zu rechnen sein, so ist doch auch das Ziel ein herrlich grosses: ein jüdischer Bauernstand auf deutschem Boden! Mit einem Schlage wäre das weit und breit bestehende Vorurteil von der Unfähigkeit der Juden für schwere manuelle Arbeit beseitigt und zugleich, was von weit grösserer Bedeutung ist, der grundlegende Faktor geschaffen, auf dem die übrigen Berufsarten sich gesichert aufbauen könnten. Ausser diesem rein wirtschaftlichen und sozialen Moment, welches für die Ergreifung dieses Berufes spricht, kommt noch ein drittes hinzu, für welches gerade im Kreise der Leser dieser Zeitschrift erhöhtes Interesse vorhanden sein wird, das ist das hygienische. Durch die jüdische Jugend geht jetzt die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Stärkung unserer physischen Eigenschaften. Wir Juden sind in diesem nervösen Zeitalter die Nervösesten, aus unseren Reihen gehen die meisten Irrsinnigen hervor; das ist ein böses Zeichen des Niederganges unseres Volksstammes. Diese eine Überlegung sollte genügen, um die Beteiligung an der Heranbildung eines künftigen jüdischen Bauernstandes jedem Juden zur Pflicht zu machen. Neuerdings ist nun der Bodenkulturverein an die praktische Inangriffnahme seiner Ziele herangetreten. Er hat die Bodenkulturgesellschaft m. b. H. begründet, welche ihrerseits das Gut Neuhof bei Posen erworben hat. Dieses Gut ist nach dem Urteil der Sachverständigen ausserordentlich für die Zwecke des Vereins geeignet. Es ist 387 Morgen gross, liegt 3U Stunden von der Stadt Posen entfernt an einem kleinen Flüsschen Glowna; hier werden im Laufe des Frühjahrs einige jüdische Eleven praktisch in der Landwirtschaft unterrichtet werden, sie von Grund auf erlernen, und diese sollen dann später als selbständige Bauern angesiedelt werden.