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Jüdische Turnzeitung · 1902-01-01 · 1 (1.1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
3 (1902)
Issue
1 (1.1902)
Date
1902-01-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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No. 1. 7. Das muss verhindert werden, diesem muss man, solange es noch Zeit ist, entgegentreten. Jeder Jude hat hieran ein unmittelbares und weitgehendes Interesse. Denn, vergessen wir nicht: eine jede Gemeinschaft (und namentlich unsere jüdische) wird stets nach demjenigen ihrer Bestandteile beurteilt, der das niedrigste Kulturniveau einnimmt! — Es gilt also, für die Juden in Deutschland, welche in immer beängstigenderem Masse erwerblos werden, neue Berufe ausfindig zu machen, diesen „Deklassierten" neue Möglichkeiten zu bieten, sich selbst aus der wirtschaftlichen Misere zu erheben. Es ist hier nicht der Ort, näher auszuführen, wie die akademischen Berufe bereits von Juden überfüllt sind, wie in der Industrie und Technik nur für eine geringe, sich stets vermindernde Anzahl Platz vorhanden ist, wie das Handwerk zweifellos noch zahlreichen Existenzen ein sicheres Brot gewähren würde, jedoch gegenüber der Industrie in entschiedenem Rückgang begriffen ist, so dass für eine Aufnahme grösserer Massen nur die Landwirtschaft übrig bleibt. Die Frage, ob nun in diesem Erwerbszweig die Gewähr liegt, dass die sich ihm zuwendenden. in angemessener Weise sich ernähren können, ist mit einem runden Ja zu beantworten. Es handelt sich natürlich um die Gründung eines jüdischen Bauernstandes, nicht etwa die Schaffung jüdischer Grossgrundbesitzer noch jüdischer Parzellenbesitzer. Der Bauer aber ernährt sich stets in genügendem Maasse, unabhängig von aller Konjunktur. . Eine andere Frage ist, ob Juden sich zu diesem Berufe eignen. Es genügt der Hinweis auf die Geschichte unseres Volkes. War nicht Palästina ein reiner Agrikulturstaat, in welchem alles, aber auch alles, unter dem Gesichtspunkt der Bebauung des Landes betrachtet wurde?! Wollte man aber dem entgegenhalten, dass dies schon etwas lange her sei, dass seitdem die Juden durch die ausschliessliche Beschränkung auf die kaufmännischen Erwerbsarten, hierfür ungeeignet geworden seien, so ist dem gegenüber hervorzuheben, dass auch während des Mittelalters, dort wo den Juden Erwerb und Bearbeitung von Grund und Boden gestattet war, dieser Beruf stets von ihnen mit Erfolg geübt worden ist; man erinnere sich der Sekte der Karaiten. Und auch die neueste Zeit giebt hierfür unwiderlegliche Beweise. So die Ackerbau-Kolonien in Russland, wo über 100 ooo Juden sich bethätigen, auch die Kolonien in Palästina, in Anatolien, in Argentinien, welche alle,

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