Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 1 (1.1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 1. 4. kann zur Zeit ihre Lebenshaltung nicht erhöhen und sie hat für Turnen und Sport irgendwelcher Art weder Zeit noch Mittel übrig. Wollen wir ihr hygienische Rathschläge erteilen, so müssen es solche sein, die nichts kosten, aber auch nicht einen Pfennig! Und da finde ich bei angestrengtestem Nachdenken nur zwei Reformen, die mir nützlich und dringlich erscheinen und die ohne Geldopfer ausführbar sind. Das jüdische Volk muss sich die allzu frühe Eheschliessung und die allzu frühe Einschulung der Kinder abgewöhnen ..." Der grosse Vorzug der Nordauschen Darlegung besteht darin, dass er mit praktischem Blick die einfachsten Mittel, welche zur Gesundung des kranken Volkskörpers dienen können, aufzufinden weiss und Forderungen zu stellen vermeidet, deren Verwirklichung aus Mangel an Kapital vorläufig unmöglich ist. Das Spezialreferat des Dr. Jeremias über die vorliegende Frage gipfelte in nachstehenden Vorschlägen: Eine systematische zielbewusste Volkshygiene mit Massnahmen für die Juden muss veranstaltet, werden. Die Verwandten- und Frühehen müssen aufhören, Jugendhorte und Kindergärten müssen erstehen, eine vernünftige Schulreform für die Chadarim muss platzgreifen, Schulärzte sollen angestellt, Ferienkolonien, Kinderheilstätten, Jugendwehren eingerichtet werden, die Kinderspiele sollen Disciplin- und militärische Übungen enthalten, alle sportlichen Übungen energisch gepflegt werden. Der Armenpflege und Verbilligung von Volkswohnung und -Nahrung muss besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die Masse muss zur Hygiene erzogen werden, und dann dürfte es gelingen, sie aus ihrem unleugbaren körperlichen Niedergange wieder emporzubringen. Wir können die obigen Anträge nicht durchweg billigen. Einerseits scheint uns die Realisierung der meisten mit einem allzu grossen Kostenaufwand verbunden und schon in weite Ferne gerückt zu sein. Dann aber lässt sich auch sachlich manches gegen seine Forderungen einwenden, so z. B. gegen die vorgeschlagenen Jugendwehren etc. Trotzdem bietet er wertvolles Thatsachenmaterial in reicher Fülle, sodass man aus seinen Darlegungen Interesse und Belehrung gewinnt. Wie anders war die Behandlung des gleichen Themas, das kürzlich im „ Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" zu Berlin den Gegenstand eines Vortrags bildete! Herr Professor Watermann, der Redner des Abends, wartete mit