Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 3 (1902)
- Issue
- 1 (1.1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 1. 2. 90 Taubstumme, 25O Geisteskranke. In Österreich waren 6,8 pCt. der Geisteskranken Juden bei nur 4,8 pCt. Bevölkerungsanteil. Unter den Truppen in Kiew kamen im Jahre 1895 Wahnsinnsfälle vor bei den Christen 1,5 pCt., bei den Juden 2,2 pCt. In Italien entfällt ein Geisteskranker auf 1750 Christen und 380 Juden.. ." Erst von zionistischer Seite wurden auf Grund informierender Referate (Dr. Max Nordau, Prof. Mandelstamm) Vorschläge zur Beseitigung der thatsächlich bestehenden körperlichen Degeneration angegeben. Seitdem haben auch andere Kreise die praktische Durchführung dieser Vorschläge in die Hand genommen. ' Auf dem fünften Zionistenkongresse, der vor einigen Wochen in Basel tagte, hat Nordau in seinem Generalreferat über die körperliche, geistige und wirtschaftliche Hebung der Juden auch die erstgenannte Frage einer eingehenden Besprechung unterzogen, in der er mit grosser Schärfe besonders den Gesichtspunkt hervorhob, dass eine physische Hebung ohne ökonomische Stärkung des verarmten Volkes undenkbar sei, eine Auffassung, welche schon in der Jüdischen Turnzeitung *) vertreten war. Nordau führt aus: „Es ist grausam, von der körperlichen Hebung armer Teufel zu sprechen, die sich nicht aus Unwissenheit schlecht nähren, sondern die nichts zu essen haben, die nicht aus schlechter Gewohnheit in elenden Löchern, in Schmutz, Überfüllung und verdorbener Luft hausen, sondern die Kosten einer minder lebens- « ' gefährlichen Wohnung nicht erschwingen können. Wer hätte den Mut, nackten Hungerleidern ohne Geld für die Hausmiete salbungsvoll zu predigen: „Brüder, nährt Euch reichlich, kleidet Euch warm, lebt in mehreren luftigen, reinen, hellen, wohleingerichteten Stuben!" Einen solchen Rat darf man nur erteilen, wenn man den weisen Worten gleich die Mittel hinzufügt, die ihre Befolgung erfordern. Anderen Völkern, die körperlich heruntergekommen, muss man einschärfen, dass sie mörderische Laster ablegen, dass sie nicht übermässig trinken, sich keiner Völlerei hingeben, keine Unzucht treiben, nicht spielen, nicht verschwenden, nicht unflätig, luft- und wasserscheu sein sollen. Wir brauchen uns diese gesundheit- und lebenzerstörenden Laster nicht abzugewöhnen, denn wir haben sie nicht. Wir müssten, um den physischen Verfall unserer Rasse aufzuhalten, im Gegenteil Gewohnheiten annehmen, die wir •) S. JOd. Turnzeitung Jahrg. II, S. 64.