Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 12 (12.1901)
- Date
- 1901-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 12. 152. Nun über unsere turnerische Thötigkeit im abgelaufenen Jahre: Das Turnen zerfiel ursprünglich in ein Turnen der alten Herren und in ein Turnen der Hochschüler. Die Vereinsleitung ging dabei von der Ansicht aus, es sei den älteren Herren Gelegenheit zu bieten, in Müsse und Beschaulichkeit, unbeirrt von Zuschauern und unbehelligt von etwaigen störenden Bemerkungen, ihr Cesundheitsturnen ganz unter sich zu betreiben, anderseits aber der Jugend volle Aktionsfreiheit zu gewähren. Es war den alten Herren ein Turnlehrer in meiner Person bestellt worden, die Hochschüler sollten ihre Vorturner, ihren Platzleiter selbst stellen. Diese Einteilung bewahrte sich nicht, konnte sich nicht bewahren; es waren eigentlich 2 Vereine im Vereine, die in keinem Zusammenhange sich befanden. Es zeigte sich bald, dass, sollte eine Leistung erzielt werden, die Leitung des Turnbetriebes in eine Hand gelegt werden müsste. So wurde mir die Gesamtleitung übertragen. Ich turnte Montag und Donnerstag den alten Herren vor, führte Dienstag und Freitag lediglich die Platzleitung. — Nun ergab sich folgendes: Die Anzahl der Turner in der Montag-Donnerstag-Zeit mehrte sich erfreulich. Bald waren wir so weit, dass ein Vorturner nicht genügte. Die Riege der alten Herren wurde geteilt. Es war keine geringe Sorge, der 2. Riege einen geeigneten Vorturner zu beschaffen; bestand doch das Turnermaterial zum allergrössten Teile aus ganz ungeschulten Leuten. Die wenigen, die selbst einigermassen turnerisch ausgebildet waren, konnten das schwierige Amt eines Vorturners bei ungeschulten, der Hilfe unbedingt und ausgiebig nötigen Männern nicht übernehmen. In wahrhaft aufopfernder Weise stellte sich unser damals eben in den Verein getretener jetziger Herr Obmann mir zur Verfügung. So wuchs und gedieh die in Rede stehende Abteilung zu ansehnlicher Stärke. Anders verhielt es sich mit der Dienstag-Freitag-Zeit. Hauptsächlich von Studenten beschickt, wurde der Besuch derselben bald ein sehr unregelmässiger; zu Ferialzeiten waren der Teilnehmer oft so wenige, dass es nicht verlohnte, dieser geringen Anzahl wegen den Platz zu beleuchten und zu beheizen. Angesichts dieser Ergebnisse sah sich der Turnrat veranlasst, die Dienstag - Freitag - Zeit aufzulassen und anzuordnen, dass Übungsabende nur am Montag und Donnerstag stattzufinden haben. Diese Massregel war richtig und gut. Sowohl jung wie alt erhielt neue Anregung; der Besuchseifer, die Lust am Besuche wuchs; der Kontakt der Mitglieder untereinander wurde inniger. Es ist nur zu wünschen, dass auch die Bande persönlich geknüpfter Freundschaft die Liebe zum Vereine immer mehr steigere. Ich will nicht mit einer Aufzählung der Besuchsdaten die Zeit übermässig in Anspruch nehmen, ich will nur bemerken, dass von der Zusammenlegung der Turnzeiten die Besuchsanzahl vom Juli bis heute durchschnittlich ca. 35 Personen betrug, wobei natürlich zu berücksichtigen ist, dass in den Sommermonaten der Turnbesuch selbstredend ein sehr schwacher ist. Wollen wir hoffen, dass unsere Zahl derart wachse, dass ein zehnfach grösseres Haus uns kaum genüge.