Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 12 (12.1901)
- Date
- 1901-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No 12. 153. Ich komme nun zu den Turnabenden selbst. Sie alle wissen, dass jeder derselben in 3 Teile zerfallt: a) Freiübungen, b) Gerateturnen, c) Kürturnen. Was die Freiübungen anlangt, muss ich leider feststellen, dass der Wert derselben bedauerlicherweise nicht gebührend geschätzt wird. Es befindet sich jeder in einem Irrtume, der da glaubt, die Freiübungen seien nur ein notwendiges Übel. Ganz im Gegensatze; Schönheit und Anmut in der Form der Bewegungen, Kraft und Gewandtheit des Körpers werden durch diese Art der turnerischen Übungen erzielt. Wenn Sie es nicht glauben, dann überzeugen Sie sich, indem Sie einmal aus einem verborgenen Winkel (im Zuschauerraum darf sich ein Turner nicht aufhalten) die Ausführung dieser Übungen beobachten. Der vermag nicht '/.i-Minute gjab wagrecht zu erhalten, es fehlt ihm die Kraft dazu; jener besitzt nicht die Geschicklichkeit, auch nur auf ganz kurze Zeit in der Kniebeuge zu verharren; ein dritter ächzt und stöhnt bei einer Rumpfbeuge zum Erbarmen und so unzählige Male weiter. Doch nicht nur der Körper ist es, der nicht nachzukommen vermag; auch der ungeschulte Geist lässt uns im Stiche. Er besitzt nicht das Vermögen, den an ihn ergangenen Auftrag zur richtigen Zeit in Muskelthatigkeit umzusetzen. — Daher rührt die Ungleichzeitigkeit und Unregelmässigkeit in der Ausführung dieser Übungen. Was wir aber vor anderen Dingen zu bedenken haben: Ordnungssinn und Begeisterung für gemeinschaftliche Arbeit zur Erreichung gemeinsamer Ziele werden in erster Linie durch die Freiübungen erweckt — und denken Sie daran, welch' hohe Ziele wir uns für das Judentum gesteckt haben. Das Gerateturnen: Hier fehlte es wohl nicht an dem Willen der Turner, allein es machte sich da ein anderer arger Übelstand geltend, der Mangel an standigen, geschulten Vorturnern. Gar mancher Turner verliess uns, weil er bei dem fortwahrenden Wechsel der Vorturner einen gedeihlichen Fortschritt seiner turnerischen Fertigkeit nicht wahrzunehmen vermochte. Es hat sich diesbezüglich einigermassen gebessert und wird sich weiterhin hoffentlich immer mehr zum Guten wenden. Ich appelliere hierbei an die Opferwilligkeit namentlich der besseren Turner. Das Geräteturnen ist Gemeinturnen, kann daher nicht individualisieren. Um jedem Turner Gelegenheit zu geben, Übungen seiner Wahl zu erlernen, schloss an jedes regelmässige Turnen ein Kürturnen. Auch dieses wurde nicht so ausgenutzt, wie es der Fall hatte sein sollen. Hier soll sich jeder bestreben, Übungen, die nur halbwegs im Bereiche seiner Fertigkeit oder demselben nahe liegen, zu erlernen. Zu dieser Zeit sollte das regste Leben auf dem Platze herrschen, sämmtliche Kürgeräte sollten von Turnern umlagert sein, und Jeder sollte sich mühen, das zu erlernen, was ihm während des Riegenturnens nicht gelungen war. Von der Idee ausgehend, dass das Turnen zur Hebung des gesamten Judentums eines der förderlichsten Mittel sei, beschloss der Ausschuss, auch eine Frauen- und Madchenabteilung in's Leben zu rufen. Diese Ab-