Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 11 (11.1901)
- Date
- 1901-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. n. 135. opferten ihnen — ihr Selbst. Zweierlei wurde dabei übersehen. Die moderne Kultur, die ihre Strahlen in die einzelnen Völker gesandt hatte, wurde jedes Mal als das Erzeugnis des Volkes betrachtet, in dem die Juden lebten und von dem sie sie empfingen. Als ein Erzeugnis nicht des einzelnen Volkes, sondern der europäischen Welt erkannten sie jene Güter nicht. So meinten sie, ihrer nur so teilhaftig werden zu können, wenn sie in allen Stücken gerade so wurden, wie das Volk, das sie vor sich sahen. Zum anderen hatte ihnen das neue Licht auch den Blick dafür geraubt, dass es ihre Schuld nicht war, wenn sie das nicht hätten leisten können, was die andern geschaffen, dass sie verfolgt und gehetzt, von jeder natürlichen Lebensbedingung abgesperrt, naturnotwendig ein rückständiges Element hätten werden müssen. Sie übersahen aber auch alles das, was ihnen wirklich geblieben war, die Anlagen des Gemütes und Verstandes, in denen sie den andern wenigstens ebenbürtig waren, die Tradition einer grossen Vergangenheit. So erbte sich diese Anschauung fort bis auf unsere Tage, verheerend und verwüstend. Ein solches Volk lebt weder, noch ist es tot, es führt, in Stumpfheit dahin vegetierend, ein untermenschliches Dasein. Anders diejenigen, die bewusst an der Zerstörung des jüdischen Volkes arbeiten. Hier ist die Konsequenz aus den Anschauungen gezogen, die wir bei der anderen Klasse erkannt haben: Sind wir ein minderwertiges Volk, haben wir als Ganzes keine Entwickelurigsmöglichkeit mehr, so ist es unsere Pflicht, so schnell wie möglich die Auflösung der etwa noch vorhandenen Volksreste herbeizuführen, damit wir so uns und der Menschheit nützen. Wenn etwa die also denkenden Herren noch religiöse Bedürfnisse haben, führen sie unter Vorantritt ihrer geistlichen Leiter die Operation in der Weise aus, dass sie in der überlieferten Religion alles beseitigen, was nur nationale Bedeutung hat, nur das erhalten, was als rein menschlich betrachtet werden könne. Über dieses Verfahren brauchen wir heute kein Urteil mehr zu fällen; es ist gerichtet. Bestimmter halten den einmal eingeschlagenen Weg diejenigen inne, die ihr Ziel nur durch die Taufe erreichen wollen. Sie sind die, welche am folgerichtigsten die Auflösung des Volkstums erstreben, welche den Mut haben, ganze Arbeit zu machen, die eigentlichen Assimilanten. Sie beseitigen auch die Religion, die nichts als eine Scheidewand ist zwischen ihnen und dem Volke, 11*