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Jüdische Turnzeitung · 1901-11-01 · 11 (11.1901) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
2 (1901)
Issue
11 (11.1901)
Date
1901-11-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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No. 11. 134. nichtung des Judentums ist. Ferner: Assimilation ist nicht nur die bewusste Arbeit an der Auflösung des Judentums, sie erfolgt vielmehr in den weitaus meisten Fällen ohne diese ausgesprochene und deutlich zum Bewusstsein kommende Absicht. Daraus ergiebt sich, dass sie nicht immer konsequent und nicht immer bis zu dem Grade durchgeführt wird, der allein als Lösung eines Problems angesprochen werden könnte. Im wesentlichen können wir drei Stufen der Assimilation unterscheiden: das Schwinden der Selbstachtung, die Entnationalisierung, die Taufe. Jenes erste Stadium ist das der unbewussten Assimilation, eine Form der Auflösung, die weit verheerender wirkt und ungleich schwieriger zu bekämpfen ist als die bewusste. Sie dokumentiert sich in der Geringschätzung alles dessen, was durch die Geschichte oder durch die Meinung der anderen dem eigenen Volke angehört, sie hält ohne weiteres alles für inferior und bekämpfenswert, was den Stempel des Judentums an sich trägt; kurz, „jüdisch" ist ihr identisch mit „schlecht, niedrig, verwerflich.1' Dass diese Anschauung nicht die einiger schändlichen Subjekte ist, sondern hier mehr, hier weniger prononciert in den weitesten Kreisen unseres Volkes eine Stätte gefunden hat, weiss jeder Kundige. Das Merkwürdigste und psychologisch Interessanteste in dieser Beziehung ist das, dass sie auch in den Häusern sehr vieler religiöser Juden durchaus gebilligt und bethätigt wird. Dieselben Leute, die dreimal täglich in der Sprache ihrer Väter Gott anrufen, würden bei Leibe nicht in Gegenwart des Dienstboten von den „Juden" reden. Hier haben wir es nicht mit einer theoretisch als Prinzip erkannten und konsequent bethätigten Gedankenrichtung zu thun, sondern mit einem unter der Schwelle des Bewusstseins schlummernden, aber darum um so hartnäckigeren Instinkte, mit dem atavistischen Überrest einer vergangenen Kulturepoche, der aber gleichwohl zur Assimilation im genannten Sinne gerechnet werden muss, weil sein Erfolg der nämliche ist wie der bewusst destruktiven Tendenzen. Ein atavistischer Üeberrest! Als man unseren Vätern die Thore des Ghetto öffnete und das Licht der modernen Kultur in breitem Strome hineinflutete, wurden sie von der ungewohnten Fülle des Lichts geblendet und sahen in den Völkern, die die Träger dieser Hüter waren, höher geartete, ihnen weit überlegene Individualitäten, Halbgötter, denen sie opfern müssten, und sie

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