Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 11 (11.1901)
- Date
- 1901-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 11. 136. dem sie angehören wollen. Soweit sie nicht, was heute leider oft genug geschieht, durch gemeine Profitgier zu ihrem Schritte getrieben werden, sind sie die sympathischsten unserer Gegner; sie handeln nach festen Gesichtspunkten, sie erstreben beharrlich ein Ziel, sie sind aber auch leichter ihrem Volke wiederzugewinnen als die Schlaffen und Gedankenlosen, die nicht Baal angehören und nicht dem Ewigen. Vereinsliederbuch für Jung-Juda. Herausgegeben vom Jüdischen Turnverein „Bar Kochba"-Berlin. A \ Jenn ein Volk aus seiner Erstarrung zu frisch pulsierendem, ringendem Leben erwacht, erblüht alsbald seine nationale Dichtkunst. So hessen E. M. Arndt und Theodor Körner ihre Kampf- und Freiheitslieder erschallen, als die deutsche Nation sich anschickte, die napoleonische Fremdherrschaft abzuschütteln, so ertönt jetzt der Sang unserer jungjüdischen Dichter. Sie haben angefangen ihres Stammes Wert zu erkennen und ihn mit inniger Liebe zu verstehen. Mit ihren Dichteraugen sehen sie seine Schmerzen und Freuden, sein Sehnen sowie seine Hoffnungen und formen sie mit ihrer göttlichen Gabe zu künstlerischen Gebilden. Von einer jüdischen Dichtkunst, die auf Vollkommenheit Anspruch machen darf, sind wir noch weit entfernt. Echte Künstler, die jüdische Stoffe zum Vorwurf nehmen, giebt es unter den Juden nur wenige; es ist bemerkenswert, dass das litterarische Ereignis dieses Jahres, der ebenso oft besprochene wie gelobte „Sang an Juda", einen Christen zum Verfasser hat, Börries Freiherrn von Münchbausen. Aber erfreulicherweise bewegt die poetische Produktion sich in aufsteigender Linie und häufiger als früher blinken uns unter wertlosem Schutt auch die Goldkörner wahrer Poesie entgegen. Den ersten Anstoss zur Fabrikation sangbarer Reimereien gab das Vereinsleben. Die Geselligkeit verlangte gebieterisch ihr Recht. Es musste gesungen werden und es wurde von der für ihr Volkstum schwärmenden Jugend gesungen, ohne dass sie viel nach dem poetischen Gehalt der Lieder fragte. War die Tendenz national, dann sah die Begeisterung der Sänger selbst über solche dichterische Freiheiten hinweg, die jeder unbefangene Kritiker einfach als Geschmacklosigkeiten bezeichnet hätte. Die jüdische Dichtkunst steckte eben noch in den Kinderschuhen. So lassen