Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 2 (1901)
- Issue
- 10 (10.1901)
- Date
- 1901-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No, 10. J24. Jüdische Turner in Rumänien. Von Nachtal. \Ä/er mit offenen Augen die Schicksale der Juden in den verschiedenen Ländern der Diaspora betrachtet, wird die erschreckende, aber zugleich auch natürliche Bemerkung machen müssen, dass, wo auch immer die Juden in einer nur irgendwie bemerkenswerten Anzahl sich zusammengefunden haben, sich dieselben Elemente des Judenhasses und der daraus sich ergebenden Judennot zeigen. Entweder durch das Gesetz festgelegte Ungleichheit oder angebliche Gleichheit vor dem Gesetz mit regelmässiger Umgehung des Gesetzes, Ausschluss aus der Gesellschaft, tief eingewurzelte Verachtung für alles, was jüdisch ist, Verachtung des Menschen im Juden mit der Begründung, dass er unehrlich, schwach und feige sei, erschreckend leichte Erregbarkeit der Volksleidenschaften gegen die Juden. Dieser letzte Punkt springt am ehesten und grellsten in die Augen; mögen die anderen Elemente der Judennot gemäss der verschiedenen Kulturhöhe der die Juden beherbergenden Wirtsvölker sich graduell von einander unterscheiden; überall aber liegt in gleicher Weise und in gleicher Stärke der Zündstoff gehäuft, und es braucht nur eines Funkens, um eine lodernde Flamme zu entfachen; und die Aeusscrung dieser Leidenschaft überall die gleiche; gewaltthätig, roh, bestialisch; das braucht keiner Beweise; nur wer stumpf ist an Heiz und Auge, der kann noch darnach fragen. Im übrigen ist diese leichte Entfachung und Bethätigung des Hasses auch ganz natürlich: Im Volke lebt die durch 2 Jahrtausende vererbte Ueberzeugung von der Minderwertigkeit der Juden nicht sowohl in geistiger, als vielmehr in körperlicher Kraft, das vererbte Bewusstsein der Straflosigkeit noch so bestialischer Gewaltthaten, wenn sie sich nur gegen Juden richten, das ererbte und durch die Thatsachen bestärkte Bewusstsein von der thatsächlichen Unfähigkeit de.r Juden, ihnen von selbst wirksamen Widerstand entgegenzusetzen, bewirkt, dass es das Faust- und Waffenrecht, wo es immer nur kann, stabiliert und straflos handhabt. Und deshalb ist die Tragweite der Bestrebungen eine ganz ungeheure, die darauf hinzielen, die Juden einerseits wirklich kräftig und widerstandsfähig zu machen, andererseits aber dem Volke, in deren Mitte sie wohnen, die Überzeugung beizubringen, dass es